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1 (1853)
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486
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

dies nach den angegebenen Veränderungen in der Zeitstimmung ange-fangen zu bereuen, und sie griffen nun diese heiligen Gegenstände aufals Bußmittel für die frühere dichterische Versündigung, so jedoch daß siealle die weltliche Kunstfertigkeit, die sie an jenen Rittermähren erlernthatten, mit zur Bearbeitung der geistlichen Stoffe herübcrnahmen. Daßhierbei die Einfalt und die reine Frommheit der alten Legendendichterebenso wie deren Trockenheit und Nüchternheit nicht mehr zu finden ist,beweist der Blick in jede beliebige Legende dieser Zeiten. Wir treffen hiersogleich auf die zwei namhaften Dichter wieder, mit denen wir uns zu-letzt beschäftigten, Konrad und Rudolf. Von Konrad von Würzburg be-sitzen wir eine seiner früheren Dichtungen in dem heiligen Sylvester^),der dem Stoffe nach schon in der Kaiserchrouik vorkommt, und wie dieheilige CreseentiaE) jetzt eine neue Bearbeitung findet. Er enthältindessen nichts was ihm hier eine ausführlichere Erwähnung verdienenkönnte. So ist cs auch mit der Legende von Pantaleon^'), demwnnderthätigen Arzte und freiwilligen Märtyrer, den Kaiser Maximianmit Feuer und Wasser, mit Schwert und Rad vergebens zu tödtensucht, bis der Heilige es selbst erlaubt. Der Pantaleon ist auf Betriebdes Baselers Johann von Arguel aus dem Lateinischen übersetzt, wie derSylvester für den Domherrn Leutold von Rotenleim und der Alexius fürdie beiden BürgerJohann vonBarmesweil und HeinrichJselin gedichtetwurde. Den Alexius hat Haupt in seiner Zeitschrift^), und Maß-niann in Gesellschaft von sieben anderen mittelhochdeutschen Bearbeitun-gen herausgegeben. Die Sage von dem Heiligen, der mitten aus Jugendund Reichthum und von der Stufe des Ehebettes weg sich der Armuthund keuschen Selbstpeinigung ergibt und sich pilgernd, und dann alsBettler in dem reichen Hause seiner Eltern und seiner Braut durch daSLeben hindurch darin erhält, der wie Konrad sagt von der wahren Got-tesminne entzündet wird, in dem Augenblick wo die weltliche Minne ihrFest feiern sollte; diese Sage ist recht gemacht zum Symbol des merk-würdigen Uebergangs dieser Zeit von weltlicher zu geistlicher Neppigkeitund Uebertreibung. Ueber den inneren Werth dieser Legende ist wie überso viele andere immer nur das Nämliche zu sagen, daß der Natur und

44g) Ausg. v. W. Grimm. 1841.

450) Im Coloczaer Codex altd. Gedichte.

451) In Haupts Zeitschr» 6, 193»

452) Bd. 3, 534. St. Alexius' Lebe» in acht gereimten mittelhochd. Behand-tnngen. Hsg. ru Maßmann. 1843.