Gottfrieds Schule. Legenden.
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das Bedeutendste aus dieser Gattung hervor, weil von der Mitte des13.Jahrh. bis zu dessen Ende die meisten und vorzüglichsten Legenden ge-dichtet wurden, die dann im Lause des 14. Jahrh. wiederholt, ins Nieder-deutsche umgesetzt, mit neuen vermehrt wurden, worauf wir dann kaummehr zurückzukommen denken, da diese Gattung nur in dieser Zeit einegeschichtliche Bedeutung und wenigstens vergleichweise einen poetischenWerth hat. Eben dies Letztere konnte man von der Zeit des 12. Jahrh.aussagen, wo wir die Legende in ungezwungener Frömmigkeit behandeltund als Haupt- und Lieblingsgegenstände der Dich tung verbreitet und in dieweltlichen Erzählungsstoffe eingedrungen fanden. Dieser Geschmack wardzur Zeit der Blüte des Rittergedichtes unterbrochen; weltlicher Sinn ver-drängte die ausschließliche Richtung ans das Geistliche. Man sollte sagen,baß man diesen Zeitpunkt wenn nicht innerhalb der Legende selbst, so dochan einem Gedichte Nachweisen konnte, wo die Legende eine ganz eigen-thümliche und neue Verbindung mit einem weltlichen Stoffe eiugeht, dievon den Beispielen ähnlicher Vereinigungen, die wir früher im 12. Jahrh.gehabt haben, sehr absticht. Wir meinen das Gedicht vom Kaiser Era-clius, das überhaupt schwer unterzuordnen ist, das uns aber aus demangegebenen Gesichtspunkte am merkwürdigsten scheint. Es ist von einem„gelehrten Manne" Otte auS einem französischen Gedichte von Gauticrd'Arras übersetzt; beide hat Maßmann herausgcgebcnE), und wennsich die geschichtlichen Anspielungen behaupten ließen, die er in beidennachweist, so hätte das Gedicht für Andere vielleicht noch anderen Werth;für uns ist das das allein Wichtige, daß hier eine schon in der Kaiscr-chronik vorkommende Legende von der Wiederfindung des heiligen Kreu-zes durch den Kaiser Eraelius an eine sehr weltliche Erzählung geknüpftist, die einenCommentarznjenemLieblingösatzedermuthwilligstenLiebeS-dichter abgibt, daß Fraucnhut nichts tauge. Beginnt die Legende spruch-reich, moralisch, trocken, so fährt dagegen der Schwank von der Untreueund der Seitenliebe der Kaiserin Athanaiö in so weltlich muthwilligemTone fort, daß schon dieser die Zeit verräth, in der die deutsche Bearbei-tung erst entstanden sein kann (Anfang des 13. Jahrh.). Daß nach demDurchgang durch eine so ganz den Dingen der Welt zugekehrten Zeit dieLegende bei ihrer Wiedergeburt im 13. Jahrh. nicht mehr den alten Tonsesthalten, noch aus dem alten Geiste behandelt werden konnte, begreiftsich von selbst. Die meisten Dichter, die diese Stoffe zuerst wieder auf-griffen, hatten sich früher mit ritterlicher Dichtung abgegeben, hatten
448) Eracllus, von Otte und Gautier von Arras. hsg. v» Maßmann. 1842.