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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Befreiung ihres gefangenen Sohnes, die Erfüllung der Bitte läßt auf sichwarten, so nimmt die Mutter auch der Maria den Sohn von ihrem Bildeweg zum Geißel; was will sie thun? sic muß beide Gefangene erlösen. — Inzerrütteten Ehen stellte sieVcrträglichkeit her""). — Ihr Erbarmen hattedurchaus keine Grenze. Räuber und Mörder durften sich ihr nur empfeh-len, um der Vergebung des Himmels sicher zu sein. Das Gedicht vonTheophilns, das in diesen und späteren Zeiten in deutsche Reime ge-bracht ist "'), beweist eö, daß man ohne Gefahr für die Seele Gott ent-sagen und dem Teufel sich verschreiben kann, wenn man nur die Jung-frau nicht verleugnet hatte. Sie rettet Diebe vom Galgen, sie tilgt fürein Ave alle Jugendsünden ans, sie gestattet jedem Hanptverbrcchcr gerneeine Galgenfrist, ja den in Sünden Gestorbenen eine Auferweckung insLeben, zur Besserung. Berghohe Sünden in der Einen Schale drückt einBißchen Marienliebe in der Andern nieder! Sie unterstützt eine Wettelüderlicher Buben, wer das beste Kleinod von seiner Geliebten vorweisenkönne, indem sie einem ihrer Anbeter, der sich in der Gesellschaft findetund mitreißen läßt, ein solches gewährt; und ein Staar, der Ave Mariasprechen gelernt hat, reißt sich damit ans den Klanen eines Habichts,wie sich die sündige Mcnschenseele damit auS den Krallen des Teufelserlöst. Dies Alles geht doch über den Scherz wie über den Ernst! DasMeiste aber sind Züge, die anS deutschen Dichtungen entlehnt sind. Hiersieht man deutlich wie Legende, Novelle, Schwank ans einer Linie liegt;und man muß nur das anerkennen, daß diese Berührung der Ertremedoch in Deutschland noch weit weniger Statt hatte, als in Frankreich,wo sich eine Masse von solchen legendenartigen Anekdoten und schwank-artigen Hciligengcschichtchen (oonlos äevots) vorfinden, in welchen diefrechsten Späße und die unflätigsten Zoten herrschen. Zu diesen Erzäh-lungen nun bilden die ernsten, größeren, in frommer Begeisterung, inandächtiger Beklemmung, geschriebenen oder — wenn es den Heiligengefällt — gedichteten Legenden einen solchen Gegensatz, wie die necki-schen und leichten weltlichen Schwänke zu den feierlichen und pomphaftenRittcrcpen.
Es kann unmöglich die Absicht sein, bei diesen Dingen uns langeaufznhalten oder irgend vollständig zu sein; wir heben an dieser Stelle
4-40) Frauentrost, von Siegfried dem Dörfer. In Haupts Zeitschr. 7, 100.
447) Marienlegendcn Nr. AZ. hochdeutsch; in Brnns altplattdentschen Gedichtenniederdeutsch. Neberdie Sage und ihre Quellen s. Sommer, <Io 'I'IiooiiMU oum Oialiolo