Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
483
Einzelbild herunterladen
 

Gottfrieds Schule. Legenden.

483

eine Erzählung ging, daß sie gut und mächtig genug war, im Jahre1216, als Christus die Absicht hatte die Weltkugel ihrer sündigen Be-wohner halben in Stücke zu zerschmettern, dem gewaltigen Arm desRächers Einhalt zu thun. Man brauchte einen milderen, mitleidigerenFürsprecher in dem himmlischen Hofe, und auf wen sollte die Zeit eherverfallen! Wenn doch damals die innere Reinigung im Menschen durchirdische Frauen geleitet ward, wie sollte nicht die himmlische für die Läute-rung zumHimmel behülflich sein? Die galanteZeit fühlte sich dcrGöttinnäher, als Gott, bevorzugtesteinihrenLiedernund Gebetenundsetztesie inBildern zur Rechten Gottes und selbst ein wenig erhaben über ihn. Sahman die reine Jungfrau in ihrem Verhältniß zum Vater und Bräutigamzugleich, so sah man Beide in einem minniglichen Verhältnis^), undwas war dann billiger, als daß der Liebende ihr die Verehrung zollte,die jeder Liebende der Geliebten! Sah man sie in ihrem Verhältniß zumSohne, was war dann billiger, als daß der Erzeugte die Wünsche derMutter erfüllte? Man hatte sehr lustige Geschichten davon, wie sie ihnmit mütterlichen Vorwürfen auf seine Lehren in der Bibel verwies, daßman Vater und Mutter ehren solle, als er einmal Miene machte, ihrenhäufigen Fürbitten Einhalt thnn zu wollen, mit denen sie die Hölle ent-völkerte und dem Teufel (ein deutscher Dichter fügt sehr naiv hinzu: lei-der) vielen Schaden lhat. Das matteste und weichlichste Geschlecht machtsich nun gerne wem muß man selbst heute noch diese Erfahrung erstzeigen, als etwa denen, an welchen sie gemacht wird? macht sich amliebsten so vortheilhafte Vorstellungen zu Nutz und fällt so leicht in eineAndächtelei, mit der man die Gottheit bestechen will. Man steckte sich da-her hinter die gutmüthige Hlmmelsdame, die sich noch mit einer krank-haften Andächtelei, mit Lippeugebet und Angendrehen kirren ließ, dieMutter Gottes, die den Sohn so gut ihres Sinnes zu machen wußte;muß ja doch selbst der mürrischste Hausherr und Vater vor solchen ver^einigten Waffen weichen. Bald geschah durck sie,was ans Erden undim Himmel möglich und unmöglich ist." Was durften sich fromme Ee-müther nicht Alles mit ihr erlauben! Eine Mutter bittet sie um

415) Ileimnr von Avveler, in einem Briefe bei v. d. Hagen, Minnes. 2, 175Ourcli Minne rvnrr 6er alte fülle, der in rvas alt NN ende,von Iiimete 1er er einen sgrune Iier nb nn dir eilende,ein Zot un<I <>ri xenends eugtiene von einer meide fugent:dn-/. gesclulob durcli minne.

Eine Einsicht in den Charakter der Erzählungen von Maria ist nun bequem ge-währt in Pfeiffers Mari ent egen den (aus dem großen Passional) Stnttg. 1840.

31 *