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Blüre der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
große Ingesinde, das sich an seinem Hofe drängte, wo die Herren undRitter, die ans aller Welt, aus Ungarn, Rußland, Preußen, Polen,Dänemark sich zur Knrzweile hier zusammenfanden, und Ritterspiel oderSaitenspiel, Turnier oder Gesang suchten. Und von diesem Bilde undder Erinnerung an die Zeit, wo die sechs ruhmvollen Sänger auf Wart-burg in KriegSwcise wetteiferten mit Gesang, wo diese mit altgermani-scher Wagniß und Geringschätzung des Lebens den Kopf an den Preisihrer Fürsten setzten, von diesem Gemälde einer tollen Wirthschaft aneinem zu freigebigen Hofe, von einem schlagfertigen ritterlichen Fürstenwerden wir dann herübcrgeführt zu seinem Nachfolger, dem frommenLudwig dem Heiligen und bald zu seinem Bruder, dem PfaffenkönigHeinrich Raspe, von der Beschützerin dcö Oftcrdingen zu ihrer Schwie-gertochter, der frommen Elisabeth dcrHeiligcn, von den lüderlichen Gästenan Hermanns Hofe zu dem Kctzerverfolger Konrad von Marburg, undder Dichter führt selbst an, wie das selbstqnälcndc und beschauliche Lebendes jungen heiligen Paares und ihres Beichtigers von dem alten Hofeverlacht ward. Und bis zu welchem Ekel geht nicht dies Heiligenleben,dies Armenspeisen, Tränken und Waschen, dies Krankenpflegen, Kasteienund Fasten, diese sophistische Frömmigkeit oder fromme Schlauheit, dieseKüchenwunder und was Alles diese Legende oder das Leben der armenFrau ausfüllt, die denn auch bald nach ihrem Tode in die Zahl der Hei-ligen Antritt. Eine solche Zeit, die aufs neue solche Heilige schuf, diedie letzte Begeisterung für die Krenzzüge krampfhaft empfand, mußte noth-wendig die alten Geschichten der alten Märtvrcr und Heiligen hervor-suchcn. Wo also ein Fürst noch einen Reinbot zum Dichten auffordert,gibt er ihm eine Legende in dieHand; wo ein Legendendichter, wieHugovon Langenstein, sein Talent bezweifelt, gibt ihm die Heiligkeit desGegenstandes den fehlenden Muth, denn schon das Lesen solcher christ-licher Gedichte gab Seelenheil und Frieden, wie verdienstlich mußte nichterst daö Dichten sein.
Obgleich nun aber damals durch so außerordentliche Verdienste solcherneuer Heiligen der Schatz der Versöhnungsmittel zwischen Gott und demsündigen Menschen angehänft war, so schien daö leider immer nicht ge-nug, um die noch mehr angehäuften Sünden aufzuwiegen. Denn diedamalige Zeit hat dicht neben ihren Heiligen zugleich viele neue Greuel,Gewaltthaten, Landfriedensbruch und Selbsthülse eigen, wie wir schonaus den Andeutungen des Stricker vernahmen und aus der Geschichtesonst wissen. Ein weiterer Vermittler ward nöthig un^> diesen suchte manjetzt mehr als je in der Jungfrau Maria, von der im 13. Jahrhundert