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1 (1853)
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481
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Gottfrieds Schule. Legenden.

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erwarten. WaS nun diesen Gottesdienst zunächst angeht, so schien es,als ob die Zeit, die setzt anfing, die mächtigen, gewaltigen Fürsten aufden weltlichen Thronen nicht mehr dulden zu wollen, und die sich nachunmächtigen Häuptern umsah, mit denen eher auszukommen war, auchim Himmel die furchtbare Majestät Gottes zu brechen gesucht hätte. Jeneszwölfte Jahrhundert, das sich noch an dem Selbstherrscher Karl freute,das seine Gewalt im Friedrich Barbarossa mit seiner Herrlichkeit wieder-kehren sah, und beider Reich mit dem der altjüdischen Könige verglich,jenes Jahrhundert sah auch noch seinen Gott in der Erhabenheit desstrengen Jehova und überall spielen die alttestamentlichen Vorstellungenin die GcdichtejcnerZeit herüber. Allmählig tritt in der dreieinigen Gott-heit alsdann der Sohn in den Vordergrund, und dies war seiner zwischenGott und Menschheit vermittelnden Eigenschaft gemäß. Geistreich hatman ferner bemerkt^), daß, sobald die Vorstellung von der IdentitätGottes, des Sohnes und des Vaters allgemeiner ward, eine neue Ver-mittlung zwischen der gerechten Gottheit und dem sündhaften Menschcn-geschlechte, oder zwischen dem unbegreiflichen Wesen des Lenkers derDinge und dem schwachen Verstände der,Sterblichen nöthig ward. Die-ser unserer Sündhaftigkeit und Begriffsschwäche griffen dann die Hei-ligen unter die Arme und die Märtyrer mit ihren unergründlichen Ver-diensten. Wir sehen also in dieser Zeit, indem wir, wie schon gesagt,ganz in dieselbe Periode gleichsam zurückversetzt werden, in der wir dieKaiserchronik entstehen sahen, die dichterischen Bearbeitungen der Legendennicht allein häufiger, wenigstens knnstmäßiger und feierlicher betriebenwerden, als je, sondern auch der ganze Anstrich des äußeren Lebens erhielteine heilige Färbung. Wir stehen in den Zeiten, wo die Heiligsprechun-gen anfangen viel häufiger zu werden, wo Castilicn, Frankreich, Eng-land heilige oder fromme Könige auf ihren Thronen sahen. Wollen wirin Deutschland an einem Beispiele sehen, wie sich das Leben mit derPoe-sie, die Poesie mit dem Leben ändert, so kann man kein auffallenderesanführen, als den Hof von Thüringen. Wir wollen dazu die Züge ausdem Leben der Elisabeth wählen^), einem Gedichte, das zwar etwasspäter fällt, das aber als Kunstwerk keiner weiteren Beachtung wcrth,als historische Urkunde dagegen hier ganz brauchbar ist. Wir werdendort an den alten Hofhalt des Landgrafen Hermann erinnert, an das

443) Zn einem AufsätzeZur Geschichte der Verehrung der heil. Jungfrau" imdeutschen Merkur 1796, 3. und 1797, I.

444) Mannscript in Darmstadt; auSzüglich in der DiutiSca 1, 343 ff.

Gern. d. Dicht. I. Bd. . 31