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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Mann reuig ans seine weltlichen Dichtungen zurück, und ganz in diesemSinne stellt die pseudorudolfische Einleitung den geistlichen Stoff derChronik (6oä. ?»I. 146. I?ol. 1—3.) als die beste Rede hin, die je eindeutscher Mann gedichtet habe, und setzt ihndcn lügenhaftenMähren ent-gegen , die er früher im lieben Wahn auf Ehre und Ruhm mit sündhaf-tem Munde gedichtet, so daß er nun mit diesem Gedichte die alte Schuldzu tilgen hofft. Auch dieser Zug ist allgemein in dieser Zeit. Viele be-rühmte Troubadours sind nach einem weltlichen Leben eines ascetischenEndes im Kloster gestorben. Wilhelm von der Normandie, der Dichtereines Artusromans (Fregus), schrieb später einen besuiw äevieu, indem er Rechenschaft von dem ihm verliehenen Pfund gibt, und sein sün-diges Leben bereut. Der Dichter eines Ave Marias), das man fälsch-lich dem Konrad von Würzburg zuschrieb, bedauert, daß er je von Naturund Liebe gesungen habe. Wie dieses Gefühl der Aengstlichkeit aufkamund sich äußerte, und wie eö in der Dichtung die Umwälzung hervor-brachte, daß man außer auf Geschichte und geschichtliche Wahrheit, auchauf die Legende und geistliche Dichtung übersprang, mit welchem Zweigewir auch Konrad und Rudolf beschäftigt finden, wollen wir etwas näherbetrachten.
b) Legenden.
Der Glaube an die göttliche Gnade, das Bedürfniß der moralischenUnselbständigkeit nach diesem Glauben, die Heiligenverehrung, die da-mit zusammenhängt, war schon seit Jahrhunderten im Gange und hatteinnerhalb der Geistlichkeit selbst allerhand Schicksale gehabt; währendder Blüte des Rittcrgesangs unter Waffen und freierer Lebensansicht warer eigentlich nur auf geraumeZeit und nur in diesemStande indenHin-tergrund getreten. Sobald das eigenthümliche Sittengesetz dieser Klasseseine Gültigkeit und sein Ansehen verlor, der Waffendienst vom Gottes-kampf zu Raub und Mord, der Frauendienst von sinniger Veredlung derSitten nach dem Beispiele des sittigeren Geschlechtes zu Ehebruch undjeder Gemeinheit, der Hofdicnst von geistigem Verkehr und Kunsteifer zuunschicklicher Unterhaltung ausgeartet war, so war es natürlich, daß auchder Gottesdienst mit dieser allgemeinen Verderbniß verderbt ward. Unddaß alsdann die Dichtungen, die sich auf diesen bezogen, die Lieder, diedein Fraueudicnste gewidmet waren, die Epen, welche das ritterliche Trei-ben abspiegelten, in ähnlichem Verhältnisse sanken, ist nicht anders zu
44S) V. d. Hagen M. S. 3, 343 :