Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
478
Einzelbild herunterladen
 

478

Bliitc der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

SolinnS; die eingeflochtene Erdkunde hat er, nach Maßmann, anseinerlei Quelle mit dem Geschichtspiegel des Vinccnz von BeauvaiS, derals Rudolf starb noch nicht vollendet war. Die andere Reccnsion, dieRudolfs Werk nachahmte und benutzte, und stellenweise, wie Maßmann(K. Ehr. 3, 87) gezeigt hat, auch überarbeitete, schließt sich eng an dieIiiztoria 8ebola8liea, überträgt die Einleitung und Schöpfungsgeschichtedes Gottfried von Vitcrbo, nnd nennt diesen als ihre Quelle, obgleicher auch hier nur für die Einleitung benutzt ist. Wie sich beide Werkeberühren nnd kreuzen, wie vier oder fünf verschiedene HandschriftSgrup-pcn auseinandcczuhaltcn sind, muß der, den diese Arbeit der Mühe Werthdünkt, anderswo aufsuchcn. Die psendo-rudolfische Arbeit gefiel besser,man erweiterte sie mit fremden Zusätzen, man setzte die falsche Einleitungdem ächten Werke vor. Dies war der Fall in der Handschrift""), diewir mit richtigem Takte bei der ersten Auflage dieser Geschichte zumGrund unserer Bemerkungen machten, indem sie den ächtcren Text unddie charakteristischere Einleitung verbindet; was dabei auffallend blieb,daß der Tert nicht mit der angegebenen Quelle stimmen wollte, habenwir uns so erklärt, wie eS in der zweiten Reeension noch immer erklärtwerden muß. Wie diese Chronik sich im Laufe der Zeiten gestaltete, wiesie in der Bearbeitung des Heinrich von München im 14. Jahrh. nndin den weiteren Anschwellungen dieser Arbeit aussieht, ist sie eineHanpt-urkunde für Vas Sammelwesen dieser Zeit. Sie wird wie eine neue nochüberbotene Kaiserchronik; ein ungeheurer Wust von griechisch-römischer,orientalischer Sage, Chronik, Geschichte, heimischer Volksdichtung, inwunderbarer Verwirrung. Theile anderer Werke ähnlicher Art, derRcp-kanischen, der Enenkel'schen, der jüngeren Kaiscrchronik, Theile des troja-nischen Kriegs von Konrad, geistliche Dichtungsstücke, ganze Massen derfranzösischen Sagen von Karl und Wilhelm von Oransc, wie sie vonStricker, von Wolfram nnd seinen Fortsetzern bearbeitet waren""), dräng-ten hinein. Wie sie dagegen in der ächten und einfachsten Gestalt anS-sieht, in der sie ans Rudolfs Händen kam, ist nnd bleibt sie das lang-weilige Werk eines langweiligen Dichters. Die fromme Entäußerunghaben wir bei diesem Geschäfte anerkannt, obgleich auch dies in einemManne, der über die Sündlichkeit seiner weltlichen Dichtungen schwach-

es) c»(I. k»>. iXr. >46. Die ächte Rudelfische Chronik enthält 0»l>. 327 ; diefalsche Lnä. 321.

4i0) S. im Grundriß von Büsching über die Hands. von Gleinick, KremSmünsterund Wolfenbüttel.