Gottfrieds Schule. Weltliches.
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Geschichte gepriesen Hut. Beides konnte nur die Oberflächlichkeit aus-sprechen und sie konnte mir die Oberflächlichkeit irre leiten. Der Dichterbeginnt mit der Klage über die schwindende Kunst ^'), über die wenigePflege, die sie noch findet, über die Seltenheit ächter Meister. Er klagtüber die Theilnahmlosigkeit, mit der sich nun Alles von Rede undGesang abwende; doch wolle er darum (V. 140 ff.) nicht sein Sin-gen lassen und seiner Zunge ihr Amt verbieten, sondern nur in sichselbst die Befriedigung suchen, die die Welt der Kunst jetzt versage.Eine solche Bescheidenheit und Genügsamkeit möchte vielleicht den Philo-sophen und überhaupt jeden Mann zieren, der sich über sich und dieWelt ausklärcn will; wer aber irgend wie mit den Kräften seines Geisteswuchern, wer dichtend auftreteu will, der drängt sich doch besser, wiejener, „dem die Muse das machtvollste Geschoß gewaltig pflegte" in denKreis der siegreichen Könige und sucht seine Weisheit in der Welt leuch-ten zu lassen. Unser Konrad aber reimte so vor sich hin und bedachtenicht, daß sich mit solchen Ansichten der blühende Ton des Anfangs unddie erste Begeisterung nicht bis auf die zehnte Seite werde fortführenlassen. Und wenn auch jene weitere Ansicht unseres Dichters (V. 74),daß die Dichtkunst unter allen Künsten die einzige ist, die nicht gelehrtund gelernt werden kann, von einem höheren Begriffe der Kunst in ihmzeugt, so wie er auch sonst (B. 6453) den angebornen Genius von demgemeinen Talente sehr schön zu unterscheiden weiß, den von NaturWeisen vom Gelehrten, so ist dies nur ein Beweis von einem offenenKopse, von einem passiven Vermögen des Geistes, das man mit Rechtauch an unserer neueren romantischen Schule als bezeichnend gefundenhat. Von einem dichterischen Sinne aber zu einem Dichter ist ein sehrweiter Schritt. Und wenn man von irgend einer Dichtkunst sagen kann,sie ist gelehrt und gelernt, so ist es ganz gewiß die des Konrad. Von derunlernbarcn Kunst der Menschcnkeuntniß, der Scelenbeobachtuug, derlebendigen und wahren Darstellung hat er seinem Gottfried von Straß-burg nichts abgesehen, aber wo es aufs Ausschmücken, auss Verschwendengroßer Kräfte an kleine Dinge ankommt, da hat er den Meister zu errei-chen gesucht, und hat diese Künste sogar in allerhand Beschreibungen undMalereien angewandt, die Gottfried verschmähte, er hat also nicht einmalüberall mit Geist und dichterischem Sinne abgelernt. Daß auch trotz allerAnstrengung, sich auf der idealen Höhe der alten Sänger zu halten,
433) Im altdeutschen Museum I, 62 ff. ist eine „Klage der Kunst" abgedruckt,die die Hs. als ei» Gedicht von Konrad gibt, dem es aber Wackernagel abspricht.