Gottfrieds Schule. Weltliches.
469
im Gerhard gefällig, und hiermit vergleichen sich am nächsten die kleinenErzählungen des Konrad von Würzburg.
Konrad ist wie Gottfried bürgerlichen Standes; er fällt später alsNudvlf, der ihn in der Alerandreis noch nicht unter den berühmterenDichtern nennt; er hat seine poetische Laufbahn erst nach Rudolfs Todebegonnen. Er lebte und starb in Basel, war aber kaum, wie Waeker-nagcl meint, auch dort geboren; eine Reihe von Gönnern sind ausdieser Stadt, ans deren Aufforderung, denen zu gefallen er diesesoder jenes Werk gedichtet oder übersetzt hat. Mit seinen lyrischenGedichten steht er ganz in der Reihe der Marner und ähnlicherspäterer Lyriker, Fraucnlob setzte ihm in seiner überschwenglichen Weiseein Denkmal, und Leuten wie ihm und Trimberg empfahl er sich mitseiner Gelehrsamkeit. In den formalen Dingen der Dichtung ist er durchungemeine Leichtigkeit und Beweglichkeit, so wie durch die tadelloseReinheit seiner Reime ausgezeichnet, und durch den Bau seiner Versegewissermaßen epochemachend: er hat zuerst ans der lyrischen Dichtungden- regelmäßigen Wechsel der Aeccnte, d. h. den rein jambischen VecSin die erzählende Poesie hcrübcrgenommcn. Ncberschlägt man seine ge-summte Dichtung, so erscheint er überall an der Grenze der früheren undspäteren Zeit; seine lyrischen Gedichte führen zu den geschraubten, ge-künstelten und lehrhaften Poeten am Ende des Jahrhunderts über; seineerzählenden deuten rückwärts und suchen sich an die reine höfische KunstGottfrieds von Straßbnrg anzulehnen. Unter ihnen sind die kleineren,die v. d. Hagen in seine „Gesammtabentcner" ausgenommen hat, dieaber nun auch einzeln größtenthcils in reineren Ausgaben zu lesensind das cmpfehlendste. So urtheilt der Herausgeber des Otto mitdem Barte, daß nnserm Konrad „zumeist die Erzählung gerecht war, undzwar diejenige, die ihn nicht zwang, sich zu schrauben, und mit seinenKenntnissen das zu ersetzen, was ihm an ächt poetischem Geiste abgiug;bei der ec nicht Gefahr lief, sich zu erschöpfen, in breite Resterionen ein-zulassen und platt oder gar gemein zu werden; die kurze Erzählungalso, die ihm einen schlichten Stoff bot, den er kurz und lebhaft in ge-wandter Sprache und leichten Versen darstellte." Eben um dieses for-malen Verdienstes willen, auf das cs ja selbst den größeren Dichtern der
427) Engelhard, Hrsg. v. Haupt. 1844. Otto mit dem Barte, Hrsg. v. Hahn.1838. ver rverNo lün, Hrsg. v. Fr. Roth. 1843, der auch das Herzmähre 1846herausgegeben hat, und den Schwanritter und das Turnier oon Nantes herausgebenwird.