Gottfrieds Schule. Weltliches.
465
und beschrcibungsrcichen Manier erzählt, aus dem Munde eines Ritters,der dem Verfasser aus einer ungereimten Chronik den Inhalt mittheiltc.Als Schilderung einer reinen und treuen Eheliebe, die von Gefahrenund Abenteuern gestört und geprüft wird, reiht sich auch dieser Inhalt anden von Flore und Blanscheflnr an; und wie dieses Gedicht bildet auchMai und Belaflor eine jener beliebten Novellen, die Schöndoch und derBüheler bei uns später wieder bearbeiteten und die in unsere Volksbücher(von der geduldigen Helene) übergegangen sind.
Dicht hierncbcn stellen wir den Wilhelm von Orlens^) (vor1244) des Rudolf von Hohenems, Dienstmannes zu Montsort(ff l254), weniger besorgt um die chronologische Reihe der Werke diesesDichters, als um die Zusammenstellung des Gleichartigen. Des Dich-ters Vorliebe für Tristan und Gottfried ist in seiner AlerandrciS so nach-drncksvoll ausgesprochen, daß man sich ven Seitenblick dabei auf Wolf-ram^) eben so gut erklärt, wie die Beschaffenheit des Gedichtes, vondem wir reden. Der Wilhelm von Orlenö ist wie so Vieles unserer altenLiteratur früher ganz unverständig überschätzt worden, indem man ihnwohl über Wolfram's Willehalm gesetzt oder gefunden hat, daß er sich„unter allen übrigen Avcntiurcn am nächsten dem Tristan anschließe,"daß man ihn eines der schönsten Denkmäler der altdeutschen Poesie ge-nannt hat. Edelstein und Glas gleichen einander oft, heißt es im Era-klius, und diese Aehnlichkeit der Werke der Meister und der Nachahmerhat vielfach unsere altdeutschen Forscher getäuscht. Wir dürfen wieder,obwohl hier nur stellenweise, den zierlichen, Gottfried von Straßburgnachgeahmten, Vortrag rühmen, dessen Ton oft selbst in Nachbildungseiner kühnen verschlungenen Perioden wohl getroffen ist. Was aber die
422) Lod. Nal. dir. 323. Eine Ausgabe wird Fr. Pfeiffer besorgen.
423) Einleitung zum 2. Buche des Alerander:
Dar ander ris ist drüf gezogen, Stare und manige rvis geboten,rvilde gnnt doeb sp.-vbe, mit fremden sprüeben rvtebs,dar bat gebelretük den stam von lüscbenbaeb der >VvIlram,mit rvilden äventiuren Kunde er die Kunst rvoi stillreu —dagegen heißt es von Gottfried V. 30üll:
— der nie vaiscben trit
mit valsebe in siner rede getrat; »je ist eben siebt gesät
sin tunt, sin sin so riebe; rviest sü gar ineisterliebe
sin l'ristan; sner den ie gelas, der mae rvol beeren, dar er rvas
ein sebrüter stierer rvorle und rviser sinne ein Porte,
rvie Kunde er sü rvvt tibten, gelabten krümbe slibten,
brisen beiderbands iip, beide inan uut rverdiu rvip u. s. f.
Gcrv. d. Dicht. I. Bd. ZO