Gottfrieds Schule.
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Gottfried von Straßburg zu einem Vertreter der Zeit, zn einem epischenCharakter zu bilden wußte. Flore und Blanschcfluc ist eine jener Dich-tungen, die zwar seit der Zeit der Troubadours in unzähligen Umarbei-tungen die Lesewelt unterhalten, aber auch nichts weiter als unterhaltenhaben; sie trägt daher auch eine Einkleidung, die diesem ganz ange-messen ist. Stoffe wie diese, wie die Erzählungen von Genoveva undMelusine, werden in jeder blühenden Dichtungsperiode einmal wiederaufgcgriffen und zubcrcitet werden; sie und ähnliche sind es, die auchbei uns in Ticck'S Bearbeitungen den meisten Beifall fanden unter Allem,was wir aus dem Mittelalter erneuerten; mit Recht: denn nichts hatdas Mittelalter reizender gekleidet, als eben solche Novellen, die eineArt Gemeingut, die dem wirklichen Leben nicht so entfremdet waren, undeben darum auch den größcstcn und nur nicht eben den tiefsten Leserkreisfanden. Sobald die damalige Gesellschaft durch die vielfältigen poeti-schen Erzeugnisse mehr Geschmack am Lesen, mehr Bedürfnis; nach dich-terischen Genüssen erhielt, so war dies mehr eine Aufforderung zur Hcr-vorbringung von Vielem und Anmuthigcm, als von Tiefsinnigem undErhabenem. Wir glauben nicht, daß eine Geschichte der Literatur aufsolche Leistungen große Rücksicht nehmen kann; sie sind für den Augen-blick geschrieben und erneuern sich immer wieder, um unter der jedes-maligen Gestalt der Unterhaltung der jedesmaligen Gegenwart zn die-nen ; einem höheren Zwecke dienen sie nicht. Die Geschichte der Dichtungkann bei solchen Werken die Veränderungen im Geschmack und in derBildung angcben, unter denen sie entstanden; ein bleibenderes Denkmalkann sie ihnen schwerlich setzen. Was wir bei den großem Dichtern dieserZeit von Werth fanden, ihre ästhetische Höhe, ihre sinnliche Schärfeoder geistige Tiefe, vermissen wir hier, und behalten nur die Kunst derleichten und gewandten Darstellung übrig, die den Ruin der Dichtungnicht aufhalteu, kaum sich selber überall aufrecht halten konnte. Wirgehen daher auf den Inhalt von Blume und Weißblume nicht weiter ein:es ist die einfache Geschichte vom Jugcndleben und der Jugendliebezweier Kinder, die dann getrennt und nach einem gefahrvollen Abenteuerwieder verbunden werden, mit vielem Schmuckwcrk griechischer Romane,mit vielen tautologischcn Begebenheiten, mit vielen Schildcreien undBeschreibungen, mit manchen Eigenthümlichkeiten spanischen Geschmacks,mit manchen Beziehungen auf den Verkehr von Christen und Heiden, sodaß man gerne die Provence für die erste Pflegerin des Gedichtes anschenmag. Der Dichter steht ganz unter jenen sinnigen, wohlwollenden,harmlosen und edelgesinnten Männern, die achtlos auf der Welt Beifall