Gottfrieds Schule.
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fallend ist, wie im Titnrel dergleichen eingeht. Der Dichter, der dort soheftig gegen Ovid loszicht, der einen so andächtigen Ton annimmt, sozart und fromm thut, seine ganz poetische Welt so heilig stellt, daß eraussagt, die Zucht jener Zeiten und Menschen sei so gewesen, daß solcheDinge selbst den bloßen Worten nach verborgener gewesen wären, alsnun in Werken am Abend und Morgen, so daß denn die liebe Unschuldder Longns'schen Idyllen noch unter den Geschlechtern geherrscht habe,dieser Dichter bringt doch mehrfach eine sehr lüsterne Srcne, in der seinreiner Held Schionatulander sich zum Abschiede eine sehr raffinirtunschul-dig ausgedachte Gunst von der Geliebten ausbittct, und von der reinenSigune auch erhält. Aehnlicher Art ist das Gedicht von der Heidin E)dessen eigentlicher Mittelpunkt solch eine lüsterne Obseönität ist. ImWolfdietrich ist das Abenteuer des Helden mit der Heidin Marpalia einwürdiges Seitenstück zu dem erwähnten in der Krone; diese Dinge sindnur mit dem ärgsten in Boeeaerio oder Ariost zu vergleichen. Je späterhin, desto mehr vergröbert sich der Geschmack der Liebesgeschichten. ImMalagis werden im Gegensatz von den kindischen Neigungen in Floreund Blanscheflnr, und Schionatulander und Sigune die Helden mitFrauen verbunden, die sehr füglich ihre Mütter sein könnten. Im Ge-dichte von Dietrich's Flucht wird geradezu von den alten Zeiten geprie-sen, daß man damals vor dem dreißigsten Jahre nicht liebte, und daßdarin die Kraft jener Zeit ihre Quelle hatte. Und so sinkt dies in denfranzösischen und deutschen Sagen bis zum völligen Verschwinden derLiebe in den Epopöen herab.
Noch frei von dergleichen Auswüchsen sind die drei Dichter, die wiroben als Hauptvertreter der Gottfried'schcn Schule, des Spätherbstesder höfischen Kunst nannten, und die die meiste persönliche Bedeutunghaben. Auch sie aber zeigen uns, wie fein und versteckt cs sei, daß dieerzählende Dichtung schon mit Gottfried auf der gefährlichsten Spitzestand, und daß sie nothwendig bei dem vorsichtigsten Weitergehen, beidem entschlossensten Stehenblciben in der alten Manier sogar, sinkenmußte. Wenn man dies beobachten will, so darf man nur das Gedicht
418) Nach Püterich ist es von Rüdiger von Hindihofen, wohl derselbe mit Rüdi-ger dem „Hunthover", von dem die Erzählung vom Schlegel in v. d. Hägens Gesammt-abenteuer ist, wo sich auch der ältere Tert der zwiefach vorhandenen „Heidin" gedrucktfindet» In ihm heißt der Held AlphariuS, eine Figur der deutschen Sage, während er ineiner jüngeren Recenfion Wittich vom Jordan heißt. Ein Auszug von dieser in Jacobsund Uckerts Beiträgen zur älteren Literatur.