Didaktische Dichtungen.
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selbst zu diesen zwingt er sich ordentlich. Desto mehr geht ihm sein Ge-dicht die Klage^) von Herzen; es ist ein Blick auf die geändertenSitten der Zeit voll cindringender Schärfe. Alles, was einst die schöneZeit des Gesangs, des Frauen- und Hofdienstes auszeichnete, sieht erzu Grabe getragen. DieFreudc nennt ec den belebenden Mittelpunktjener Zeit, die nun verloren ist, an deren Statt die Unfrcude gekröntward, da nun die Großen alle in Waffen stehen und hinfort für dasalte Hoflebcn keinen Sinn behalten. Das will der Dichter ewig be-klagen. Ec will klagen, daß Gott und seine Gebete vergessen werden,daß Pfaffen und Laien einander Haß tragen, daß man den Frauen nieso üblen Dienst bot, daß die Herren nach Gewalt streben, den Kaisermachtlos machen, um vor ihm sicher zu sein, daß vom Hofe die Stühleder Weisen, der Alten und Armen verdrängt sind und nur die Reichennoch Zugang behalten, daß Richter und Rathgeber ihre Pflichten ver-säumen, daß die Herren siech liegen, und an Jagd und Beize, anSaitenspiel und Gesang, an Frauenliebe, Turnier und Tanz, an Adel,Name und Gewalt ihre Freude verloren haben, daß sie der Wald unddaö Feld, und Blumen und Gras nicht ferner ergötzt, die ehedem derWelt Lust waren mit langen lichten Tagen, mit Sommer und Vogcl-gcsang. Wie er alsdann auf den zeitigen Fraucndienst zu redenkommt und das Laster cingerisscn schildert, um daö einst Sodom undGomorrha zerstört wurden, sieht man freilich, wohin es mit der höfischenGesellschaft gekommen war, und findet bestätigt, was man auch ohneZeugnisse'von dem üppigen Zusammenleben der höheren Kreise balderwarten mußte. Bei dieser Einsicht nun in die Verdorbenheit der Weltpredigt der Stricker gleichwohl noch im Sinne der alten Ritterschaft, dieWelt nicht mit schwarzen Augen anzusehen; bedauert aber, daß, wennman einmal die irdische Freude aufgeben wollte, man nicht wenigstensdie himmlische dafür cinzutauschen suche. Er tröstet sich aber mit demChristenthume; Buße, Reue, Beichte sind der Gegenstand einer Mengeseiner kleinen lehrenden Gedichte, am deutlichsten in dem von drei rath-gebendcn Freunden. Er hat die festeste Zuversicht und Aussicht aufRettung und Heil; da jener Schächer am Kreuze für die kürzeste Reueder ewigen Gnade theilhaftig ward, wie sollte Gott nicht diese Gnadeauch an Anderen üben! Wenn auch die menschliche Besserung fehlt, diechristliche Barmherzigkeit wird schon durchhelfen; „wem das Herz auch
398) K. A. Hahn, kleinere Gedichte von dem Stricker. 1839. I>. 52.
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