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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
fährt er fort, ist nicht frei, sondern der Untugend Sklav; jede Untugendpflegt sich auf einen eigenthümlichen Gegenstand zu richten, die Unflätig-keit allein ist stets mit Allein zugleich beschäftigt; was sie heute thut,dünkt sie morgen schlecht; sie baut jetzt was sie dann zerbricht; sie ver-kehrt schnell das Viereck in einen Kreis; sie ist wie der Wolf, dem maneine Schelle anbindet und der herumrennt und nicht weiß, was ihnverfolgt. Der Gelehrte, der im Besitze von Büchern ist, halte sich aneines, alle zugleich kann er nicht lesen. Wer aus Büchern Weisheits-gewinn ziehen will, der halte sich fest, wo er des Sinnes Ast ergreift.Wer ein gutes Wort hört, der bleibe nicht auswendig an der Thürestehen, sondern er trete ein, bis er den Grund der Rede finde. Mitdieser Unstäte bezeichnet Thomasin ferner, was wir das stäte Thema desGesangs fanden: sie ist mindestens in Vier gethcilt; ein Theil Freude,ein anderes Leid, das dritte Ja, das vierte Nein; sic ist zerbrochen,und zerbricht; wer ihr folget, schilt den, den er dann loben muß, undwer ihm heute lästig fällt, den ehrt er wieder morgen. Uebcrall streiftder weite Begriff von Unstätigkeit in Untreue und Falschheit, Unzuver-lässigkeit und Doppelzüngigkeit über, und indem nun ans der Gegenseitejede Tugend gesucht wird, so liegt hier zugleich eine Erklärung, warumin den verlorenen Nibelungen der Treue trotz Mord und Frevel und imTristan der Treue trotz Ehebruch und Schande der Himmel verheißenwird. Aller Laster Mutter ist die Unstäte: vor allen der Lüge, die zwei-geteilt in der einen Hand Sorge, in der anderen Leid führt, mit dereinen hilft, mit der anderen schlägt, zugleich streichelt und rauft, herztund schlägt, gut verspricht und übel lohnt. Die Unstäte geht durchalles Thun und Treiben des Menschen, sie ist der Fluch, der seit AdamsFall auf uns ruht, während selbst die Elemente, die Natur, die Thiereihren angewiesenen Lauf in stäter Ausdauer vollenden, rein antike Sätze,die schon eben so bei Plutarch u. A. Vorkommen. Vom Menschen ansbis zum Himmel sind die Planeten stets ihrer Natur treu geblieben,vom Menschen herab auf die Erde die Elemente eben so; nur derMensch, weil er Willen und Vernunft, Einsicht und Wahl des Gutenund Bösen hat, ändert und wechselt mit jedem Tage. Er zeigt es ander Unzufriedenheit der Stände (dergleichen Stellen hat Hans Sachsgerne aus dem wälschen Gaste entlehnt); er leitet das Sehnen der Men-schen aus einem Stande in den andern aus Ungenügsamkeit her und erpredigt Zufriedenheit und bescheidene Bedürfnisse. Armut und Reich-thum sei gleich zu ertragen. Das Gut sei ein Ding, das mit Unrechtso heiße; weiß mache doch weiß, und schwarz schwarz, aber das Gut