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Blute der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Geistesbildung damaliger Zeit angegeben finden: der verständig gereisteThomasin begnügt sich nicht mehr mit den Phantasicbildern, die seinemJugcndaltcr und seinen kindischen Vorstellungen genügt hatten, er suchtdaS Wesen der Dinge und den Menschen zu ergründen; er trifft dabeians die Hanptgcbrcchen der ganzen Zeit und greift sie in ihrem Kern an.Er sah, daß die ganze Zeit leidenschaftlich fortgcstürmt wurde von einemzum andern und daß nirgends ein sittlicher Halt war. Hätten wirNachrichten von den LebenSschicksalcn unserer Dichter, wir würden wahr-scheinlich auch auö ihnen lernen, was sich in der neueren Periode unsererLiteratur so deutlich darstellt: religiöse, sittliche, künstlerische, politischeRichtungen durchkreuzten sich so sehr, daß es die größten und tiefstenCharaktere am meisten irrte und erschütterte, und daß nur daö leichtereTalent über alle und durch alle die Veränderungen sorglos hinschwebte.Dazu kam, daß damals in Empfindungen und Leidenschaften daö Mittelzur Sättigung gesucht ward, und dies war eben, was daS llcbcl ver-mehrte. Denn die Liebe, sagt Thomasin, ist von Natur so beschaffen,daß sic den Weisen wohl weiser, aber den Thoren auch thörichter nochmacht, und wie die Sporen das zanmlose Roß durch die Bäume treiben,so führt auch die Liebe den Mann über den Baum, der mit ihr zuspielen meint ohne sic mit dem Zaum der Vernunft zu zügeln. Demalso tritt dieser Mann entgegen, und indem er mit Wolfram zusammeu-trifft, an dessen Gedicht er große Freude zu haben scheint, sieht er inZweifel und Schwanken die Klippe, an der die Sitte zu scheitern droht.Den Mittelpunkt seines Werkes bildet daher die Lehre von der „State",um die sich alles Andere herumlegt. Im Anfänge, wo er Vieles ausseinem Werke über höfische Sitte entlehnt, sieht man, daß er nock dunkelbefangen in der Vorstellung jeder aristokratischen Welt ist: es gehe imhöfischen Manne der Vorzug deö Standes mit dem Adel der Seele Handin Hand, es habe die Regel des Anstandes eine ähnliche Geltung wiedas ewige Sittengesetz, das in des Menschen Brust gepflanzt ist. Hieralso sucht er noch mit einigen Sätzen über äußere Sitte zu wirken unddieser Art war ohne Zweifel der ganze Inhalt seines wälschcn Buches;in diesem deutschen aber legt er das Vorurtheil allgemach ab. Hiererklärt er geradehin, daß der thöricht wäre, der sich durch seinen Adelgroß dünke; edel sei nur der, der sein Herz und Gemüth an das Gutewende. Ist ein Mann edel geboren und gibt seiner Seele Adel Preis,der schändet seine Geburt. Vaters halben ist jeder edel, wenn man'Srecht versteht: denn Gott ist unser Vater, und wer ihn verläßt, verwirktseinen Adel, denn edel heißt nur wer recht thut; höfisch ist nur, wer in