Divaktische Dichtungen.
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von Gatten nnd Blancheflur, die Jungherren aber sollen an Erek undJwein, an Gawan und Karl, an Alerander nnd Tristan Beispiel neh-men. Wenn man hier vernimmt, daß diese Dichtungen durchaus blosvom sittlichen Standpunkte aus aufgesaßt werden, so erinnert man sichsogleich, wie säst jeder einzelne Dichter, der sich über dergleichen auSließ,auch von keinem anderen gefaßt zu werden verlangte. Sobald man sichferner erinnert, wie oft nur junge Männer ans gnteö Glück hin sich imDichten versuchten, wie leicht es mit diesem Berufe genommen ward, sowird man auch die weiteren Ansichten Thvmasin's ganz folgerecht findennnd schwerlich als die Einzelmeinung eines trockenen Sittenrichters an-sehen, die wenig verfangen könne. Alles was von jenen Helden gesun-gen nnd gesagt ist, scheint ihm blos für die Jugend gedichtet. Wer zuVerstand gekommen ist, sagt Thomasin, der wird billig in anderer Weisebelehrt als die Kinder; er muß die unwahren Mährchen, mit denenman diese erzog, verlassen. Er tadle darum keinen Dichter von Aben-teuern, denn sie seien zur Lenkung der jungen Seele wohlthätig; dochnicht auch für ein reiferes Geschlecht. Der Bauer, das Kind freue sichan den Bildern im Buche, wenn eö nicht lesen könne; der Pfaffe abersicht die Schrift an. So möge auch ein Mann thnn, der tiefen Sinnnicht fassen könne; der solle die Abenteuer lesen und sich daran vergnü-gen, denn er fände auch hierin was ihn geistig bessere. Wer aberSchwieriges zu verstehen vermöge, der solle nicht seine Tage mit Mährenverlieren; er soll sich der Bildung von Herz nnd Kopf widmen. DieAbenteuer seien mit Lügen geschmückt, darum schelte er sie nicht eben,denn sie hätten „Bezeichnung der Zucht und Wahrheit"; ein hölzernesBild sei kein Mann , Jeder aber wisse, daß es einen Mann bedeutensolle: so bezeichnen auch die Abenteuer was Jeder thnn solle. Dankbaralso nimmt er die Uebersctzungen aus dem Wälschen an, wollte aberdoch noch dankbarer sein, wenn man gedichtet hätte, was ohne Lügewäre, davon hätte man größere Ehre gehabt. Man sieht wohl, daßThomasin den Bearbeitern der fremden Sage aus einem ganz anderenGesichtspunkte gerade das vorwirst, was die lateinischen Geschicht-schreiber dem deutschen Nationalepos; wir werden aber bald noch dasviel Auffallendere finden, daß sogar in Dichtern, die sich in ihrer Jugendleidenschaftlich mit Dichtung von Mähren abgaben, später dieselbe An-sicht erwacht von der Unwahrheit und Lügenhaftigkeit dieser Romane,daß sie wie eine mahnende Stimme des Gewissens zu ihnen spricht undsie auf ihr früheres Treiben wie auf ein Sünderlehen zurückblicken läßt.Schärfer könnte inan wohl nirgends den nothwendigen Fortgang der