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1 (1853)
Entstehung
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429
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Didaktische Dichtungen.

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Thomasin's wälschem Gaste und dem Freidank sind in diese späteren Cato-sprüche eingegangen, wie denn schon die älteste Bearbeitung den Frei-dank benutzte und der Zeit nach diesem nachgesetzt werden muß. Tho-masin und Freidank sind denn die Verfasser jener beiden Hauptwerke, diewir vorhin ankündigten als den Kern unserer ritterlichen Didaktik, vondenen wir sagten, sie schlugen der Cultur eine Brücke zwischen dieser undder Reformationszeit, was ihnen eine vorragende Bedeutung für immersichern wird.

Schon Lessing hatte zu der Lehrdichtung unserer Vorfahren eine sogroße Vorliebe, daß er dagegen ihre übrigen Dichtungen in Schattenstellte. Dies kam nun wohl aus keinem anderen Grunde, als weil ervon diesen übrigen wenig oder nichts kannte. Erinnert man sich indessenan die Walther und Wolfram, an die Wirnt und Winsbeke zurück, sokann man nicht leugnen, daß auch damals schon gerade diese nationalstenund tüchtigsten unter den lyrischen und erzählenden Dichtern dieser Zeiteine Vorneigung für das Lehrhafte in der Dichtung erkennen lassen, diesich auch aus der ganzen Lage der Bildung und aus der Natur derDichtungen, die die Welt damals erfüllten, begreift. Jeder Tieferemochte das Ungenügende in den schalen britischen Romanen empfindenund jeder älter werdende Mann mußte zu Ansichten, zu Bedürfnissen, zuEinsichten kommen, denen die Romanleetüre keine hinreichende Nahrungund Befriedigung gab. Sobald sich die Poesie den inneren Menschenzur Aufgabe nahm, lag der Nebergang zum Nachdenken über menschlicheNatur, über Beruf und Pflichten des Menschen nahe genug. Sobaldferner neben allen Zweigen geistiger Thätigkeit auch die Philosophiejetzt die lateinischen Schulen und den Klerus, denen sie bisher aus-schließlich gehörte, verließ und in die Hände der Laien kam, so war eSganz natürlich, daß sich Mancher unter diesen, der sich vielleicht zumLateinlesen aber nicht zum Lateinschreiben fähig fühlte, oder der es aufdie Förderung der Bildung der Laien und Ungelehrten absah, entschloßdie Muttersprache zur Hülfe zu nehmen, um seine Weisheit durch sie zuverbreiten, und da er hier keine Prosa, wohl aber die vollendetste Vers-und Reimkuust vorfand, so war es nicht minder natürlich, daß er dieserWeisheit ein poetisches Gewand gab. Von diesem Gesichtspunkte ausbetrachtet ist der wälsche Gast^') eines der bedeutendsten Werke,die uns aus jenen Zeiten übrig sind. Dieses Gedicht überhebt unsder Mühe, zu Manchem, was uns in dem Geiste unserer ritterlichen

S8K) Ausg. von H. Rückert. Quedl. I8SL.