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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
und Suleika, und wie die neuere Zeit den Werther, der so viele An-fechtung zu leiden hatte? und ob nicht der Dichter mit gleichem Rechtewie Göthe verlangt hätte, an ein Kunstwerk keiire Forderungen derSittlichkeit zu stellen? Dies sind Fragen, die wohl immer von verschie-denen Menschen verschieden werden beantwortet werden.
Wir haben im Parzival und Tristan unsere damalige Kunst aufihrer höchsten Höhe gesehen. Die Nation und ihre Dichtung ist aus demZustande deS Gemeingefühls und der Unbewußtheit herausgetreten, diessetzte an die Stelle des Charakters des alten VolkScpos einen geradezucntgcgcnstehenden. Statt daß früher die Menschen ihre sittlichen Gesin-nungen wie ihre dichterischen Erzeugnisse ohne Befragung des Verstandesnach dem bloßen Triebe der Natur hegten und pflegten, so lernen sie sichjetzt erkennen und vergleichen und schaffen sich Grundsätze und Regeln.Allein bei dem ersten Verlassen der Natur und dem Uebcrgange zur Bil-dung , bei der Kluft der früheren Stärke des Jnstinrts und dem Aus-stichen von Grundsätzen, geräth der Mensch immer auf Abwege, trautauf die Eingebungen des einseitigen, erst thätig werdenden Verstandes,und verläßt die Einfachheit der natürlichen Empfindung, bis er allmählichund spät sich die neu ausgehende Erkcnntniß so ausbildet und erweitert,daß sie sich mit der ursprünglichen Natur nud Einfalt wieder ausgleichtoder zu ihr zurückkehrt. Jene Uebergangszeit liegt in unseren beidenGedichten aufs treueste und wahrste ausgeprägt. Allein so wie wir dieseLebensperiode und den ihr eigenen Kampf auch im einzelnen Menschennie ohne die Sorge betrachten, ob er sich auch zum Guten lösen werde,so hat auch diese ganze Zeit und ihre Literatur etwas Spannendes nudBeängstigendes, weil diese Uebergangszeit in einer Art von Beharrungs-zustand hier vorlicgt. Erst wir, die wir auf diese Zeiten zurückblicken,nachdem sich dieser Kamps in der Menschheit nach furchtbaren Ilmwäl-zungen wirklich löste, können diese Dichtungen in ihrem rechten Wertheerkennen. Unser Gefallen daran und unsere Bewunderung dafür ist abernur zum Theil die Frucht des dichterischen Genusses und mehr die dergeschichtlichen Betrachtung.
6. Didaktische Dichtungen.
Vier Männer haben wir oben genannt als die, welche der Dich-tung dieser Zeiten Werth und Charakter gaben; sie thaten noch mehr,sie bestimmten die Richtungen der Folgezeit genau und scharf, und haben