Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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423
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Gottfried von Straßburg.

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und nun hält er, ein eben so vortrefflicher dem Schwächling abgclauschterZug, zurück; er sieht aber ihren Schmerz und ihre Liebe, und nun treibtihn das Mitleid, sie mit Anderem, mit Gesang und allem Möglichen zuentschädigen. Dennoch bringt ihn ihre entschiedner werdende Liebe zumWanken; dreimal zieht ihn seine Treue ab; aber dreimal zieht die Lust,die ihn: alle Stunden lachend unter den Augen lag und Aug und Sinnblendete, sein Herz wieder an. Ferner Liebe thut sich der Mann eher ab,sagt der Dichter, als er sich der nahen enthält. Mitleid und halbe Liebekreuzt sich mit der Stimme der Treue in ihm bis zur völligen Unklarheitüber das, was er thut. Er singt zweideutig seine Lieder einer Jsold.Durch das ewige Nahen und Entfernen von der neuen Jsold ward diealte starke Minne allmählig abgeleitet. Indem Tristan diese Entdeckungin sich macht, so macht er nun gleich seine Qual und die Trauer um diefrühere Jsold als Entschuldigung geltend, die, meint er, sich jetzt wohlnur mäßig nach ihm sehne, obgleich er noch im vorigen Augenblicke vonihrer unwandelbaren Treue fest überzeugt war; er ruft sogar die Eifer-sucht gegen Marke in sich hervor; er klagt sie sogar an, daß sie ihm keineBotschaft von sich gesandt habe aber da ertappt er sich wieder: denner besinnt sich doch noch, daß sie ja nicht weiß wo er ist und doch, erlauscht seiner neuen Leidenschaft nur noch ein wenig und wird sogleichmit dem Unsinn vertraut, ihr zuzumuthcn, sie hätte in Gottes Namendie ganze Welt nach ihm sollen durchsuchen lassen.

Hier endet Gottfried, wo er uns gerade in dem Theil der Sage,welcher der allcrschwierigste ist, mit neuer unerwarteter Feinheit derBeobachtung, mit einer Kunst des Menschen Inneres zu durchforschen,überrascht, die man nicht in jenen Zeiten suchen würde. Seine beidenFortsetzer verstanden nicht im entferntesten ihm zu folgen und wir wollennicht erst den Leser mit Belegen für diese Behauptung aushalten, diekeinen Widerspruch finden kann. Sollen wir znm Schluffe ein Urtheilüber Gottfried's Tristan beifügen, so wüßten wir kein anderes überdieses Gedicht, als Dante über solche Gefühle: man muß verdammen,aber bewundern und bedauern. Ob dies Gedicht bei den damaligenAnsichten von Sitte und Gesellschaft wohl verwerflicher erschien, alsWerther in unfern Zeiten? ob nicht die Stimme eines so strengen Sitten-richters wie Thomasin'S, der den Tristan als ein Muster gerade vonSeite seiner weltmännischen Gewandtheit aufstellt, für die damaligeAnsicht von außerordentlichem Gewicht ist? ob nicht die Aufnahme denDichter rechtfertigte, die sprichwörtlich Tristan und Isolde als Beispieleeiner zarten Liebe nannte, wie der Orient Wamik und Asra oder Jussuf