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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Auslegung ihrer Worte zu quälen, sie zum vollen Gestäuduiß zu zwingen.Was von nun au folgt, ist nicht geeignet, etwas anderes als unserenAbscheu zu wecken, obgleich cs in der menschlichen Natur nur zu be-gründet sein mag, daß, wenn einmal im Weibe nach einem solchenKampfe Scham und Zucht überwunden ist, dann keinerlei Hoffnung zurHeilung und Rückkehr übrig bleibt. Eine Reihe von Betrugen undTäuschungen des armen Ehemanns und OheimS Marke werden uns inermüdender Menge und Ausführlichkeit vorgeführt, obwohl nicht zuleugnen ist, daß auch hier daS ganze Talent des Dichters sich entfaltet.So ist die reine liebe gute kindliche Jsold denn gleich, nachdem sie denTrank der Schuld gekostet, dazu gereift, dem neuen Ehehcrrn zum trautenEmpfang den schmählichsten Betrug zu bereiten, und leichthin wird derschauderhafte Satz ausgesprochen, daß sie begann Tadel und Spott mehrals Gott zu fürchten, was denn als Einleitung zu dem grausigen An-schlag dient, den sie gegen ihre treue Dienerin, die Helferin bei jenemBetrüge, faßt. Sie fängt nun an, in den Künsten der Schlaugenlistund des Betrugs die raschesten Fortschritte zu machen; bald macht sieeine Thorheit, die sie noch in alter Unbefangenheit beging, mit zehnabgefeimten Streichen gut. Sic läßt die Kunst der Weiber spielen, wieder Dichter sagt, daß sic weinen können ohne Anlaß und Ernst, so oftsie es gut dünkt. Bald bedarf sie der Belehrung nicht mehr, den gelegtenFallen zu entgehen; schnell weiß sic mit eigner Kunst die Lauscher zutäuschen (in Seenen, die des Pinsels der Cervantes oder Boccaccio,oder wer sonst hierin Meister ist, vollkommen würdig sind) und bereitsüberbietet die gelehrige Schülerin in Meisterschaft den Manu und dieFreundin. Sie weiß mit Winken und Lächeln, mit Achselzucken und Seuf-zen den ängstlich schwankenden armen Ehemann in Zweifel und Pein zuerhalten, auf ihren Kummer anzuspielen und doch jeder Frage auszuwei-chen. Sie könnte den Marke, als sie ihm bei ihrer Zusammenkunft mitTristan im Garten das Lauschen auf dem Baume ablauschte, mit der Wahr-heit kirren, ihm die Scene eröffnen, die sie da mit Tristan zu seiner Täu-schung spielte: nein, sie nicht; sie sagt ihm nur die leichte Lüge, daßTristan das, was er ihr vor Marke's Ohren selbst gesagt, zu Brangänegesagt hätte, und behält sich also das Recht der Heimlichkeit gegen denGatten vor. Es geht so weit, daß selbst das Gottesgericht und der Eidaus eine frevelhafte Art verhöhnt wird, mit einer listigen Erfindung derJsold, die ihr in Noth und Gebet und Fasten der gnädige Christ ein-gegeben hat! sie richtet die List zu, sie betet dann in „göttlicher Andacht",sie schwört dann den Eid, sie hält daS glühende Eisen: da ward es