Gottfried von Straßbnrg.
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Bürschchen an Marke's Hof entführt, ist ganz vortrefflich. Der Zug desguten Benehmens, der geselligen Duldsamkeit und Bescheidenheit istüberall inö Licht gestellt. Es ist ein allgemeiner Satz, den auch dieStrengsten der damaligen Dichter loben, daß den Mantel nach demWinde hängen, auS dem Walde mied errufen wie man hineinruft, rechtist, daß man mit dem Frohen froh, mit dem Traurigen traurig, demTreuen treu, dem Falschen rund sein solle, eine Lehre, die nur ein Aöcetund Einsiedler geradezu verdammen kann, die aber doch ihre sehrfesten innerlichen Grundsätze verlangt, wo sic nicht znm Laster werdensoll. Allein Gottfried sicht das für ein Glück an, das Gott gegeben,daß sein Tristan mit allen zu leben wußte, mir allen zu tollen, zu singen,zu lachen, und mit den Wölfen zu heulen, und alles mitzumachen waseiner anhub, wie es die Jugend solle. Jugend hat nicht Tugend, istseine Predigt; auch das ist recht; cS ist ein Satz, dem ein schwächliches,für seine Kinder ängstlich besorgtes Geschlecht so gern seine Wahrheitnähme; allein auch dies ist eine Einsicht, die in einem Zeitalter derUnbildung und roherer Kraft, wie jenes, auf einer gefährlichen Höhesteht, obgleich sie bei Gottfried durchaus rein ist, da er nicht so weitgeht, daß er auch der Bösen Lied singen lehre, vielmehr den Haß derBösen als nothwendige Bürde des Guten, den Neid als das Kind derWürde darstcllr. Die Heldenthaten des Tristan, die Wicdereroberuugseines Landes, sein Sieg über Morolt und über den Drachen in Irlandzeigen ihn noch als einen Jüngling, in dem noch keine innere Regunglaut geworden. Er sieht jene Jsolv zum erstenmal kalt, er selbst räth demMarke um sie zu werben, er selbst übernimmt die gefährliche Werbungbei dem ihm tödtlich befeindeten Weibe, er richtet sie treulich aus. DerZanbertrank, der in der Sage mitspielte, überhob den Dichter freilichder Mühe, uns die allmählig erwachende Leidenschaft in dem feindlichenPaare auf der Mcerfahrt zu schildern, allein er holt nach dem Trankenach, was nicht vorherzugehcn brauchte, und versinnlicht das Plötzlicheeines solchen Uebergangs von n othwendig äußerer Versöhnung zufreiwilliger Hingebung und Liebe durch eben jenes Symbol vortrefflich.Seine Kunst der Seclcnmalerci beginnt hier. Der Ausbruch der Gefühlein Jsold ist ganz vortrefflich; die Kenntniß der Natur der Geschlechter,die dabei entwickelt wird, ist zum Erstaunen. Das Weib wallt zuerstüber von ihrer Empfindung, sie hat volle Augen, sie läßt das Haupt aufTristan sinken und sagt ihm ein Räthsel als halbes Bekenntniß; undder Mann, den gleiche Gefühle bestürmen, hat jetzt, seines Sieges sicher,noch die Kälte, die Umarmung zurückzuhalten, sie mit absichtlicher falscher
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