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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
es in seinem genialen Gedichte um so deutlicher, nur daß selbst die war-nende sittliche Wendung vermieden ist, die wir gern dabei unterschiebenmöchten.
Doch den Dichter macht nicht sowohl der Plan, als die Ausfüh-rung; wir wollen daher noch einen Schritt näher treten, um auch hierseine unvergleichliche Dichtergabe kennen zn lernen. Die heitere Welt-betrachtung des Dichters spricht sich gleich im Eingang in der Ganzheitaus, mit der sic das ganze Werk bis in die kleinsten Theile auss innigstedurchdringt. Er spricht sein Lied zu den Liebenden, auch er singt vonFreud und Leid, aber er singt davon nicht in dem Tone Wolframs, „daßJammer unser Beginnen sei und daß wir mitJammer ins Grab kommen",sondern er kennt nur das Leid der Liebe als eine Süßigkeit und als eineWürze der Freude. Sein Held wird geboren von einem Verführer undvon einer Verführten, sein Vater fällt vor seiner Geburt, seine Mutterstirbt aus treuer Liebe zu dem Gatten bei seiner Geburt. Dies ist dasVorspiel zu Tristan'ö eigenem Schicksal und der Keim seiner Natur. Dieerste Schule aber vollendet sogleich den Charakter. Ein treuer Diener desgetödtcten Rivalin erzieht Tristan als seinen eigenen Sohn, und wendetalle Sorge für eine liberale Erziehung an ihn, die von aller verhätscheln-den Zärtlichkeit eines treuen Dienstmannes begleitet ist. Er reist in fremdeLande, lernt fremde Sprachen und was Alles zu der Bildung eines höfi-schen Edlen gehörte. Das war, sagt der Dichter, das erste Opfer seinerFreiheit, und er trat in den Jugendjahren, wo alle seine Freude undWonne erstehen sollte, in peinliche Sorgen und sein bestes Leben warmit des Lebens Beginne hin; „da er mit Freuden zu blühen begann, fielihn der Reif der Sorge an, der so mancher Jugend schadet und er ver-dorrte ihm die Blüte seiner Freuden." Dies war die Folge der Bücher-beschäftigung, an die er gleichwohl Fleiß und Mühe kehrte. Welche rich-tige, tiefe Bemerkungen, die in unserer Welt der Prosa nicht scharf genugund oft genug gemacht und wiederholt werden können, die aber in demMnnde eines Mannes jener Zeit eigen lauten und mehr der leichtsinnigenKlage unserer schwachen Väter und Mütter über die Strenge der Schuleähnlich sehen, auch wo keine Ursache zur Klage ist. So erscheint nunTristan in jener geselligen Gewandtheit, mit jener glänzenden Außenseite,mit all den liebenswürdigen Schwächen, die in der Gesellschaft eiuneh-men und gewinnen, die Jeden, der sie besitzt, zum Liebling Aller, wennauch nicht gerade zum Gegenstand der Achtung machen. Die Zeichnungdieses Charakters sucht in aller Welt ihres Gleichen; die Art, wie derDichter das redselige, gewandte, flinke, in jeder Lage gleich gerechte