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1 (1853)
Entstehung
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417
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Gottfried von Straßburg.

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aufgezogen wird. Der Dichter will ihn uns von jener Einen Empfindungder Liebe beherrscht zeigen, von jenem räthselhaften Gefühle, das so man-ches Widerstreitende versöhnt und verknüpft, das hier Treue und treu-losen Vcrrath, Dienstpflicht und Vcrwandtenbetrug, Leichtsinn und Innig-keit in einem und demselben Herzen vereinigt. Glücklich, daß dieserDichter mit fast unbegreiflicher Ueberlegcnhcit einen so schwierigen Vor-wurf zu bcmeistern das Geschick hat, uns würde die ganze Zeit ohnesein Gedicht viel unbegreiflicher sein. Er zeigt uns einen Jüngling in derGewalt jener allmächtigen, zauberisch wirkcndcu Regungen der erstenLiebe; er zeigt diese, mittelst dcS Zaubertrankö, in ihrer unwiderstehlichenStärke; er zeigt, wie sie den Todhaß zweier Seelen versöhnt und an seineStelle Treue bis zum Tode setzt; wie sie auf der anderen Seite den schö-nen Bund zweier Verwandten trennt und zu schmählichem Verrathe ver-leitet; wie sie den reinste» Charakter verdirbt, den thatenlustigcn Tristau,den Retter seines OhcimS, den Eroberer seines eigenen Landes, denSchlangentödter, plötzlich der Welt entzieht; wie nun alle Thaten auf-hören, alle Handlungen stille stehen, nur die kleinen Entwürfe nicht, dieihm sein neues Bündniß mit Jsold eiugibt. Die geheime Kraft der Hei-ligkeit der Empfindungen dieser Jahre pflegt mit der Nichtachtung allergeselligen Bande gepaart zu sein und versöhnt oft das Schmählichste mitdem Erhabensten und Edelsten. Dies ist ein Zug vollkommener Natur-wahrheit, den die Geschichte jedes innerlichen Menschen bestätigt. DerDichter führt das liebende Paar zuletzt aus aller Welt ganz zurück in dieEinsamkeit, wo er in Ariostischer Laune sogar meint, sie hätten in ihremGlücke nicht einmal mehr der Nahrung bedurft. Wie aber auch auf dieserSpitze des Glücks das an Täuschungen und Betrug gewöhnte Paar nochdie Außenwelt zu täuschen sucht, bewirkt eben dies ihre Rückberufung indie Welt, zieht ihre Trennung nach sich und bewirkt die ärgere Entartungder Sitten: die Sophistik der Liebe treibt den Helden sogar zur Untreueund jetzt trifft ihn die Sophistik des Schicksals mit rächender Vergeltung.Das Ende des Gedichtes, wenn cS erhalten wäre, hätte uns sagen können,ob der Dichter wirklich die Absicht gehabt hatte, seinen Helden als dasSpielzeug von Glück und Leidenschaft, als die Frucht und als das Opferdes Leichtsinns und der Eigenheit jener Zeit zu zeichnen, die, wie cs imTristan selbst heißt, Liebe für ein so seliges Ding hielt, daß Niemandohne ihre Lehre weder Tugend noch Ehre habe, die also eine Leidenschaftan die Stelle eines Lebensgrundsatzcs emporhob und darüber jede Würde,jede Kraft des Handelns vergaß. Sollte das Alles auch nicht in der Ab-sicht des Dichters gelegen haben, worauf gar nichts ankommt, so liegt

Gerv. d. Dicht, l. Bd. 27