Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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416
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416 Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

Stoff von Bedeutung sein und daher nur ein untergeordnetes Interessehaben; sie wird um so wichtiger, je unbedeutender die eigentliche Kunstnoch ist; sie wird stets unbrauchbarer, je bedeutender die selbständigeThätigkeit der Dichter wird. Wir suchen in dem einen wie im anderendasjenige anöhebcnd zu verfolgen, was sich aus dem Ganzen der Natio-nalgeschichte erläutern und herleiten läßt; die zufälligen Schicksale derStoffe, wie die gleichgültigen Eigenthümlichkeiten der Dichter lassen wirbei Seite. Es ist ein mäßiges Interesse, daS wir au dem geschichtlichenStoffe von Göthe's Weither nehmen; die Stimmung im Volke, die ihnhcrvorbrachte und ihm seine Wirkung schaffte, ist dem Geschichtschreiberdie Hauptsache; so ist's auch mit den Werken eines Wolfram oder Gott-fried. Wir begnügen uns mit der Bemerkung, daß der Dichter die höchsteBewunderung verdient, wenn man sieht, welch ein bedeutungsvollesGedicht er aus einem Stoffe bereitete, der noch in dem Tristan des Eil-hart von Oberg so wüst und ekel daliegt und in sich von aller Größe undWürde vollkommen entblößt ist. Es ist der Stoff einer bloßen Novelle,ein britisches Fabliau, wie denn unter den armorieanischen Lais imUwonec die Elemente des Tristan, ein Ehebruch, ein treuer Tod der Ehe-brecherin über dem Geliebten, und in einem anderen auch ein einzelnesAbenteuer im Tristan vorkommt, deren Gottfried mehrere hat, die nochim Eilhart fehlen. Aus einer so niederen Sphäre, in der die Fabel desTristan zu einem unterhaltenden leichtsinnigen Gcschichtchen gemacht ist,rückte sie Gottfried in eine wunderbare Höhe, mit einer wahrhaftgenialen Kunst.

Wenn wir uns im Parzival in das Jdeeuleben jener Zeit versetztsahen, so versetzt uns Gottfried in die Mitte des Gcmüthslebcns derRitter- und Hofwclt. Wenn sich Parzival mit dem äußerlichen, plan-losen und wirren Wesen der handelnden Welt in Widerspruch setzte unduns gleichsam die vorher fast unverständlichen, weil eben so planlosen,Romane eröffnete und erklärte, so setzt sich Tristan mit dem inneren Ge-fühlsleben jener Zeit in Einklang und erklärt uns den Minnegesang undwas Alles dabei uns fremd blieb, so lange wir mittelmäßige Gedichtemittelmäßiger Sänger unvollkommen davon singen und sagen hörten.Wir werden hier in die Erziehung und das Leben eines solchen höfischenRitters eingeführt, der im Gegensätze zu dem einsam emporgewachscnenParzival mit liberalem Unterricht, mit feinen, weltmännischen Sitten

reeueil de ce qui reste des poemes oelatiks ä sos aventunes etc. par Itlieliei.1835. 2 Thle. ChretienS von TroyeS Tristan scheint verloren.