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1 (1853)
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415
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Gottfried von Straßburg.

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wenn Göthe erzählt, ec habe sich häufig um dcu Vorzug Buonarotti'sund Raphael's gestritten, man habe sich nie verständigen können, aber amEnde habe man sich zum Lobe Leonardo da Vinri's vereinigt. So istauch bei Aristophanes unter jenen Griechen Aeschylos zum Anerkennendes Sophokles eben so bereit, wie Gottfried den Hartmann von Auerühmt, während Euripides unversöhnlich dem Aeschylos gegenübcrbleibt,wie Gottfried dem Wolfram. Wollen wir ein Werk von seiner dichteri-schen Seite beurtheilen, so sehen wir von seiner mystischen und religiösen,sittlichen oder wissenschaftlichen Weisheit und Werth ab und halten unsan Darstellung und Form. Wir begreifen dann, daß sich feinere Beur-thcilcr von Dante's furchtbarer Erhabenheit hier und da wcgkchrcn, wirmüssen einstimmcn, wenn Gottfried sich gegen jene ausläßt, diemit demStocke Schatten bringen, nicht mit dem grünen Lindenblatte," und wenner ein mühseliges Glosscnstudium der Schriften der ,, v i ixi ro i'e rvil-äki- m.-ere" von sich weist. Suchen wir aber im Dichter den ganzenMenschen, im Gedichte die ganze Bedeutung des Lebens, dann schlagenwir uns entschieden auf die Seite der erstem, und verfechten mit Acschy-los, daß der Dichter, der Lehrer der Erwachsenen, das Gute nur lehrenund das Unedle verbergen, daß er nur würdigen und großen Stoff be-handeln solle. Dann spricht uns die Zucht und Sittenstrenge dieser Män-ner mehr zu, dann gerade erscheint ihr ernster Kampf mit dem ernstenLeben als der Ausspruch der ganzen Größe ihrer inneren Natur, und derringende Ausdruck erhält eine tiefere Bedeutung; dann ersetzen wir unsdie mangelnde Glut und Bewegung in den einzelnen Theilen mit demstillen Feuer, welches das Ganze erwärmt, den mangelnden melodischenFluß der Rede mit der Harmonie der Erfindung, den fehlenden Reiz derDarstellung mit der Tiefe der Gedanken.

Um aber auf einen Blick die ungeheure Kluft zu überschauen, dieunsere beiden Dichter von einander trennt, wollen wir so kurz als thunlichdem Tristan und seinem inneren Aufbau folgen, und der Leser mag dieAnalyse dann mit der des Parzival vergleichen. Wir sehen hierbei nochmehr als irgendwo sonst von den Quellen ab, weil in einem Ge-dichte wie dieses auf die Entlehnung des Stoffes gar nichts aukvmmt.Die Geschichte der Sage^") kann in der Dichtungsgeschichtc nur als

379) Die wälschen Triaden kennen die glühende Liebe Tristan's zuUsault, das Weibseines OheimS March. Schon im IS. Jahrh. sind alle französischen Troubadours volldavon.

389) Neues und correcter edirtes Material für die Tristansage gibt: ldri5tan;