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Blicke der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Die Zierlichkeit und Lieblichkeit dieses Dichters, sein weicher aberreiner Geschmack, die reizvolle Form seines Werkes, die der Härte undStrenge Wolfram's schroff entgcgensteht, ruht auf der Lcbensansicht desDichters, die von der des Eschcnbach eben so sehr absticht, und derenVerschiedenheit die Wahl des Stoffes ihrer beiden Hauptgedichte undihre abweichende Darstellungsart bedingt. Je schärfer sich die Wclt-ansichtcn beider Dichter scheiden, je tiefer beide in der menschlichen Naturbegründet sind, je völliger jede einzelne in Jedem der beiden Dichterhervortritt und Alles durchdringt, je mehr uns alles Ganze und vonHalbheit Entfernte anzuziehen pflegt, desto erklärlicher wird das ver-schiedene Urtheil, das man über Beide fällen hört, denn der Zwiespaltüber den Werth solcher Werke und solcher Dichter wird ewig dauern.So lange es Menschen geben wird, die das Leben mehr von der ernstenSeite, und andere, die eS mehr von der heiteren zu betrachten lieben, solange das Ebenmaß zwischen sittlicher und ästhetischer Bildung der Seelenur in so Wenigen gefunden wird, so lange werden sich dieUrtheilc überdiese und ähnliche Dichter trennen, je nachdem der Benrtheiler Geist suchtoder Geschmack, Erhabenheit liebt oder Gefälligkeit, Tiefe vorzieht oderReiz. Es gibt eine gewisse Trilogie künstlerischer Form, die darum sichin den Literaturgeschichten der Völker mehrfach wiederholt, weil sie einenatürliche ist und den Menschen gemeinsam. Die Dichtkunst erscheintanfänglich unter den ersten geistigen Bestrebungen der Völker in schweremund tiefsinnigem Ausdruck, und sucht mehr die Sache als die Darstel-lung ; dieser erhabnere Charakter sinkt mit der Zeit zu seinem Gegenthcilherab, die Form wird leicht und behaglich, der Sinn leidet; der be-queme dichterische Genuß steigt, die sittliche Befriedigung und Erhebungfällt weg. Zwischen diesen beiden Enden, dem Erhabenen und Gefäl-ligen, dem Strengen und Weichen steht daS eigentlich Schöne iunc, er-scheint aber wohl nie ohne eine Neigung nach einer der genannten Sei-ten. Doch scheint in Aeschylos, Sophokles und Euripides jene Dreiheitam vollkommensten ausgcdrückt. Achnlich kann man Wolfram, Hart-maun und Gottfried nebeneinander stellen, obgleich hier der Mittlere,was der häufigere Fall ist, mehr uegativ die Ertrcmc ausschließt alspositiv in sich harmonisch verbindet. Es ist daher natürlich, wenn dieseMitte zwar von keiner Partei je ganz verworfen, aber auch selten sehrleidenschaftlich bewundert wird; und wenn Aristophancs in seinen Frö-schen zwischen den lauten Vertretern der alten und neuen Dichtkunst dennicht erscheinenden Sophokles in stiller Entfernung emporhebt, so trifftdies unser inneres Gefühl mit eben der überraschenden Wahrheit, wie