Gottfried von Straßburg.
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Begriffe von den Wirkungen der Poesie hier durchblicken, die es erklären,wenn Gottfried blos auf die Forderungen der Kunst gerichtet absichtvon allein Hergebrachten, was man damals in den Werken der Dichtungzu finden und zu suchen gewohnt war. Ganz so wie an dieser Stelle dieFestbeschreibuug, so schiebt er sogleich auch die Beschreibung des Turniersbei Seite; wie viel Sperre sie zerbrochen hätten, das sollen die Knappensagen, die sie zusammcntrugcn. So will er sich auch nicht mit dem Preisvon Morolt'ö Stärke befassen, indem er, ohne es zu sagen, auf die ge-wöhnlichen Uebertreibungeu der Körperkraft der Romanhclden, und imbesonderen auf die des Morolt, dem die alte Sage mehrfache Mannes-kraft beilegt, stichelt und ausdrücklich beifügt, daß er seine Kunst nichtan dergleichen vergeuden will. Daß der Dichter, wo die Gelegenheit eswill, nicht vor der Schilderung großen Schmerzes und inniger Klagescheut, hat er in der ganz vortrefflichen Zeichnung von BlanchcflurSversteinerndem Schmerz über Riwalins Tod gezeigt, die ihres Gleichennicht in der mittelaltrigcn Poesie hat, allein darum verschmäht er doch,die hergebrachte Todtcnklagc in ewigen Wiederholungen wiederzubringcn,und als Morolt fällt, lehnt er es ab, viele Worte über den Gram seinerLeute zu machen — was hülfe es? wer möchte Aller Leid beklagen? —Wenn er hernach von der Heilung Tristan's redet, so wäre für einenWolsram'schcn Sinn die schönste Gelegenheit gewesen, mit Gelehrsam-keit und wunderlichen Worten über die Meisterschaft der Jsold und dieZauberkraft ihrer Aczcneicu zu pruukcu, allein er will nie ein Wort reden,das den Ohren mißfalle, dem Herzen widerstehe, und will lieber kurzvon solchen Dingen sprechen, ehe er die Erzählung widerlich mit unhöfi-scher Rede mache. Aus allen diesen Stellen leuchtet die bewußteste Rich-tung auf Seelenschildcrung vor, die auf alles Aeußcrlichc, was damitnicht in enger Beziehung steht, einzngehen verschmäht. Dagegen istGottsricd's Kunst, innere Charakterformen zu zeichnen, höchst ausge-zeichnet; er streift an die Kunst der Griechen, an der äußeren Gestalt dieinnere erkennen zu lassen, und cs ist meisterhaft, wie er in allen Gebärdenund in jedem Zuge den jungen Tristan, als er in Marke's Jagdgesell-schaft und dann an dessen Hof kommt, vortrefflich charakteristrt. Mandarf ihn aber auch nur von den Musen und von Helena und Aehnlichemreden hören, um zu sehen, wie bekannt er wenigstens mit dem ächtenVirgil war, wie viel Sinn er für die plastischen Gestalten der Alten hat,wie lebendig diese vor seinen Augen stehen, wie richtig er ihre Grazieauffaßt, für was Alles keiner seiner Mitsänger vor und nach ihm einenSinn zeigte.