410 Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
empfindet, der in der Aventiure liegt, wo Parzival'ö Kraft in demselbenAngenblick zu einer ungewöhnlichen Höhe steigt, als er über den Anblickvon drei Tropfen Gänscblut im Schnee seiner KondwiramnrS gedenktund über minniglichcn Gedanken brütet, so hält er die Frau Minne anund fragt sie ernstlich, warum sie männlichen Sinn und herzhaften hohenMuth so „cnschumpfire." Und endlich bekennt sich Wolfram selbst zu derSünde deS launigen Spottes, wo er von der ärmlichen Nahrung spricht,mit denen sich Trevrizent und Parzival im Walde begnügen mußten;und seine eigne Unkunde des Französischen, sein krummes Deutsch, seineeigcnthümliche Manier entgeht, wie bei so vielen witzigen Schriftstellernaller Zeiten, nicht seinen eigenen Bemerkungen.
Wenn nun so weit diese humoristische Manier, die von seinem son-stigen Ernste oft hart absticht und einen unversöhnten Gegensatz bildet,was allerdings jede ruhige Wirkung zerstört, etwa entschuldigt werdenmochte, so läßt sich das gewiß nicht aus andere Stellen ausdehncn, woans das unangenehmste und grellste oft das Zarte mit dem Ekeln, dasInnigste und Ergreifendste mit dem stärksten Bombast und schlechtestenGeschmacke, das Entfernteste mit dem Entferntesten verknüpft wird. Woer im Willehalm die Alyzc so liebenswürdig cinsührt, unterbricht diezarte Stelle ein wunderliches Bildes. In die Klage des Wilhelm überVivianö Leiche, die aufs vortrefflichste ausgedrückt ist, mischt sich unterdie ächtcsten Empfindungen ein Bild wie dieses: solche Süße lag andeinem Leibe, des breiten Meeres Salzgeschmack müßte ganz zuckermäßigsein, wenn einer deiner zehn darein würfe! Anderswo soll der Glanzdes Heeres von Poydjus beschrieben werden, das unter seiner Prachterliegen würde, wenn jeder all seinen Reichthum angelegt hätte, dasmöchte der Dichter vergleichen mit dem Antvogel der an den Bodensce zutrinken komme ,,trüuleern 0^11-, (lgL trot im evo."
Wer nur wenige Seiten im Tristan zur Vergleichung mit dieserWolsram'schcn Manier gelesen hat, schon der wird begreifen, woher diefeindselige Stimmung dieses klaren geschmackvollen Mannes rührt, derdem ritterlichen Stande nicht angchört zu haben scheint. Man darf nursehen, wie weit er von der Unbeholfeuhcit in der Darstellung fast allerDichter dieser Zeit entfernt steht, mit welcher beneidcnswerthcn Leichtig-
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