Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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407
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Wolfram von Eschcnbach.

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durch Gott erlöst worden, weil ihr Sündenfall durch bösen Rath veran-laßt ward, nicht wie der der Engel durch eignen Anschlag. Sie sollenden Heiden gedenken, daß auch Gott seinen Mördern vergab, der fürdie Sündigen sein heiliges Leben dem Tode dargeboten, der Allmächtige,um dessen willen sie ihre Götter verlassen habe, deren Anbetern, ihrenAngehörigen selbst, sie Haß trage: den Christen aber darum, weil siewähnten, sie habe diesen Schritt um menschlicher Liebe willen gethan,sie hätte auch dort Liebe gelassen und holde Kinder bei einem Gatten, andem sic keine Unthat gefunden; um Gottes Huld trüge sie jede Schuld,und einen Theil auch um den Marquis. Dies mag dem deutschenDichter vielleicht mehr als dem französischen angchören; sonst finden wiralle Züge des alten Gedichtes von Roland wieder. Gepriesen wird, werum Gott sich in Roth läßt finden, denn ihm sind die himmlischen Sängerhold, deren Ton so hell erklingt." Dem Vivians erscheint ein Engel inseiner Todesstunde; Wilhelm trägt geweihtes Brod bei sich, von dem erdem Sterbenden mitthcilt. Die Priester sind hier ganz verschwunden;wie im Parzival die Tempelcisen gottberufenc Ritter sind, so macht dortder Laie Trevrizent den Priester, hier streben die Ritter nach dem Himmelund verheißen ihn, sie und die Frauen legen die Bibel aus, und Gyburgdisputirt mit ihrem Vater Terramcr über den rechten Glauben. Wasdas Königthum angcht, so sind die Verhältnisse, verglichen mit demRolandliede, verändert. In dieser Sage, wo wie in der Geschichte derKönig in voller Ueberlegcnheit über seinen Vasallen steht, ist dies Ver-hältniß gewiß ursprünglich gelegen, und hat sich trotz der Veränderungender im Volke fortgepflanzten Gesänge in den uns erhaltenen Dichtungennoch erhalten, in die es nicht etwa erst in den Zeiten der Kreuzzügehineingctragen ist; dagegen trat in den Vasallensagcn von Ogier, Wil-helm u. A. daö umgekehrte Vcrhältniß ein, die rohe Gcwaltthat derPairs und die Schwäche des Königs, wie es der ersten Entstehungszeitdieser Sagen, dem Charakter der Geschichte seit Ludwig dem Frommengemäß ist. Dies geänderte Vcrhältniß herrscht im Willehalm. DerMarquis erscheint ganz als ein solcher übermüthiger Vasall, greift derKönigin in die Haare im Zorn und zerbricht ihre Krone. Die festeCharaktcrzeichnung ist noch die alte. Dieser schwache König Ludwig,die liebliche Alyze, der stille, räthsclhafte Rennewart sind mit Wenigemvortrefflich geschildert; auch die Wirkung, welche Arabele, diese christ-liche gerechtfertigte Helena, auf die belagerten Helden mit ihrer bezaubern-den Nähe auöübt, ist sehr fein beobachtet.