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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

finden, weil er nicht so zusammengefaßt ist, wie in der alten Geschichte.Wer heute von Tag zn Tag lebt und sich in den öffentlichen Angelegen-heiten der Staaten nnd Völker ungestümen Wünschen preis gibt, die dieZeit nur langsam befriedigen kann, nicht weil sie träger schleicht alssonst, sondern weil sie größere Räume durchlaufen muß, der kann leichtau der Menschheit verzweifeln, und dies mag eine Hauptguelle der neuerenUnlust am Leben sein. Aber wenn wir den größeren Gang der Begeben-heiten überblicken, trösten wir uns an dem riesenmäßigen Umschwung,dessen Bewegung wir uns selbst überlassen nicht empfinden: und diesmacht uns uneigennütziger und läßt uns mehr im Ganzen der Menschheitleben. Bis etwas der Zeit nach bei uns erreicht wird, kann einenglühenden Menschen die Ungeduld hiuraffen, aber wenn er besonnenüberblicken könnte, wie viel dabei auch im Raume bewirkt wird, würdeer sich gerne beruhigen. So ist'S mit der Dichtung jener Zeiten. Be-trachten wir diese drei verglichenen Gedichte einzeln, so werden wir siekaum begreifen; im Zusammenhänge bilden sie den schönsten Körper.Dazu stehen sie in keinerlei unmittelbarer Anlehnung zu einander: wirsehen also erstaunt, wie durch Jahrhunderte diese großen Gedanken inEuropa verbreitet waren und sich fortbildetcn. Ja sollten wir in unserenTagen nicht das ganz Aehnliche erlebt haben? Oder wäre in Göthc'öFaust nicht derselbe Gedanke, nur von einer anderen Seite, aufgefaßt,und hätte der Dichter in seiner besten Zeit nicht, nachdem er den Heldenseine höllische Laufbahn hatte durchgehen lassen, empfunden, daß diespätere reflectirende, in der er ihn ans dem Dunkel ans Licht führenwollte, keine Aufgabe für seine bildende Kunst sei, nnd hat er nicht inseiner Fortsetzung bewiesen, daß diejenigen gar nicht so unverständigwaren, die behaupteten, die Sache sei nicht fortznsctzcn, nur daß sie frei-lich nicht oft wissen mochten, was sic eigentlich sagten.

lieber die beiden anderen Bruchstücke, die wir noch von Wolframbesitzen, wollen wir kurz sein. Was den Titurel angeht, so werden wirnicht wiederholen, was Lachmanu in der Einleitung über das Vcrhält-niß dieser kleinen Fragmente zu dem jüngeren Titurel gesagt hat, undwie er Doccn und Schlegel zurechtgewicscn. Es gehörte die Sprach-und Sachkenntniß nnd der Scharfblick dieses Mannes dazu, um dasEinfache und Wahre hier zu treffen, wie denn daS Einfache und Wahre,je näher es liegt, immer am schwersten zu treffen ist, wo alte VorurthcileeS umstellt haben. Nachdem es ausgesprochen ist, ist es nun wohl keinemmehr schwer sich zu überzeugen, daß nur Wolfram der Verfasser vondiesen Bruchstücken sein kann, und wahrscheinlich nur sie und nichts

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