Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
403
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Wolfram von Eschenbach.

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weiter in diesem Stoffe arbeitete. Wie man, wenn man mit dem Par-zival vertraut war, unserem Dichter an dem jüngeren Titurcl , diesemlichtloscn Ungethüm, auch nur irgend einen weitern Thcil zuschreibcnkonnte, ist allerdings schwerer zu begreifen, als daß man anfänglich überAlter und Vcrhältniß jener Bruchstücke irrte. Wunderbar, was Autori-täten nicht thnn! Man sollte meinen, weil dieser Albrechtische Titurclam Ende ausruft, daß nichts so Würdevolles und Bedeutendes in deut-scher Sprache jemals gedichtet sei, müsse nun jeder Kritiker, noch dazuin heiliger Scheu vor dem Mysteriösen des Inhalts, sich gefürchtethaben, anders als im Tone der tiefsten Ehrfurcht davon zu reden. Er-klärlich ist übrigens, daß ein Bruchstück wie Wolfram's Titurcl jenesspätere Gedicht Hervorrufen konnte, wie denn überhaupt seine dunklereSprache, seine tiefsinnigen Gedanken, seine ernstere Haltung die spätereZeit häufiger anzog, wo die Dichtung mehr ans Gelehrsamkeit ansging,die schon seine Zeitgenossen an Wolfram, wie kunstlos und ungelehrt ersich zwar selbst bekennt, rühmten und bewunderten^). So erhielteneine Menge späterer Dichtwerke Wolfram's Namen und der jüngere Ti-turcl brüstet sich recht auffallend damit. Das Wolfram'sche Bruchstückist unstreitig einer der herrlichsten, vielleicht der ausgezeichnetste Rest alt-deutscher Dichtung. Ob man dasselbe behaupten würde, wenn Wolframden ganzen Titurcl behandelt hätte, zweifeln wir sehr; selbst diesewenigen Strophen verrathcn, daß dies im Ganzen ein unfruchtbarerStoff bleiben mußte. Es scheint höchst merkwürdig und für Eschcnbach'sGenius ein großes Zcugniß, daß der Mann in diesen Resten die Aus-wüchse seiner früheren Manier beseitigte. Er lernte hier, seine Personans dem Gedichte zu entfernen, mit seiner Person zugleich seine ironischeBehandlung und seine satirische Bitterkeit; selbst seine Bilder sind zwarnoch so keck, aber nicht mehr so sonderbar, und wo noch sonderbar,möchte man meinen, dennoch schüchterner als sonst. Das Bruchstück ent-wickelt überall eine viel größere Gegenständlichkeit, ja fast eine völligeVerleugnung des Dichters; seine Kunst zu charaktcrisiren ist unendlichvorgeschritten. Mit wenigen Worten, die die Anfangöstrophen dem altenTiturcl in den Mund legen, welch ein Bild gibt er uns nicht von demgreisen Helden! Seine Signne ist auch schon im Parzival so schön in

368) Iler Wolfram, ein rvise in,in von Lsclienliacli;

sin lierre isr ganzes Sinnes lack,leien innnl nie bar xespraeb.

Wigalols, Vers KZ i3 und dazu Benecke'S Anmerkung.

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