Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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401
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Wolfram von Eschenbach.

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Aber sollte diese Zusammenstellung und Vergleichung vielleicht nurein willkürlicher Gedanke sein? sollte nicht bloßer Zufall diese Aehnlich-keiten und Unähnlichkeiten hervorgebracht haben? Wohl schwerlich. Dennder Gedanke, daß äußerlicher und irdischer Wandel zu Sünde und Unthatführt, aber Reue und innere Weihe wieder versöhnt, ist ein Gedanke,den jede bedeutende Dichtung jedes Volkes irgend einmal erfaßt und sichan seiner Behandlung versucht hat. In der Orcstiade dcö Aeschylos liegtdieselbe Idee ihrem ganzen Umfange nach, nur poetischer, sinnlicher,plastischer gestaltet, während im Dante alles geistiger, verflüchtigter ist,weshalb in der Orcstiade Alles nach dem der Kunst viel günstigeren An-fänge, im Dante Alles nach dem Ende drängt. Im Agamemnon ist dienämliche Herrschsucht, daS Ucberhcben der menschlichen Natur, die alleihre Grenzen und ihre zartesten Bande überspringt und zerreißt; den kin-dermvrdrischen Habgierigen trifft dafür die Rache. Auch der Sohn verletztdie Bande der Natur im Muttcrmord, allein der Beweggrund gerechterVergeltung und der Wicderbefreiung des Vaterlands, der ihn leitet, be-fähigt ihn zur Reinigung und er erhält Sühne und Lossprechung. Diealte Welt, in ihrem ganzen Thun und Treiben und auch in ihrer Poesievon ruhiger Beobachtung ausgehend, kannte nichts von der Sehnsuchtnach etwas Künftigem, sondern nur nach Erkcnntniß des Jetzigen mittelstErkcnntniß des Vergangenen. Die Dichtung holte sich aus der Vergan-genheit ihre großen Ideen, fand sie dort begonnen und vollendet, undstellte sie vollendet dar. Allein gerade wie wir cs im Volkscpos fanden,wo sogar die Geschichte, die Fabel nach steter Erweiterung rang, so istes auch hier noch viel erkennbarer mit der Idee in diesen Dichtungen.Wir verfolgen diese in ihrem Werden, von den Griechen besitzen wir nurdas Fertige; dies stellt uns das Altcrthum in ein so schönes Licht. Diegenauere Kenntniß der neueren Zeit, die uns Böses und Gutes aufdcckt,raubt dieser dagegen einen solchen Glanz; daher dort Alles, was mitder sinnlichen Erscheinung zusammenhängt, so unendlich herrlich ist, undfür den ästhetischen Genuß nur dort der ächteste und würdigste Stoff ge-sunden wird, während umgekehrt für alles Erkennen und Forschen dieneuere Zeit viel wichtiger bleibt, wenn auch zum letzten Zusammenfassendes Erforschten und Erkannten die Alten gewiß wieder viel bessere An-leitung geben. Wir wiederholen es hier auf einem anderen Gebiete: dieMenschen nährten allerhand große Gedanken auch in den neueren Zeiten,allein sie sind ihnen häufig nicht gewachsen, bis der Glückliche zur rechtenZeit kommt, der sie bemeistert. Wer die neue Geschichte mit leichtemBlicke zu messen versteht, wird ihren Gehalt nur darum minder bedeutend