Wolfram von Eschenbach.
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modern gebildeten Individuen bearbeitet wurde Wie sehr aber diesletztere gerade in jener Zeit und wie ausschließlich es der Fall war, habenwir seit dem Absinken der antiken Stoffe in ritterlich-moderne Behandlungdeutlich gesehen. Hier nehmen wir also wieder das Verhältniß des Par-zival zu Lambrecht's Alexander auf. Hat dieser dem antiken Sinne undder antiken Form gleichsam noch in derBehandlung jenes antiken Stoffesdas letzte Denkmal gestiftet, so stiftet Wolfram das erste dem neuenGeschmack. Wir hatten dort noch in dem Helden und in dem Dichter dieacht alte Gesinnung. Allein so wie Dante den strebenden Odysseus in derHölle schmachten läßt, weil nicht die Liebe zum Sohne, zum Vater, zurGattin, Alles was innere heilige Bande knüpft, ihn abhalten konnte, dieäußersten Grenzen der Welt zu durchforschen und der Menschen Tugendenund Laster zu ergründen, so nannte auch Lambrecht den Alexander inseinem unersättlichen äußerlichen Bestreben dem Schlunde derHölle gleich.Dieser erlesene Held aber ward, wie wir sahen, aufderHöhe seines sünd-haften Begehrens einer besonderen Offenbarung werth gehalten, die ihnerlöste. Von nun an gibt er seinen weltlichen Sinn auf, er widmet sich deminneren Wohl seines Volkes und dem Heil seiner Seele. Man sieht, wiedies nach einer Fortsetzung ringt. Wir fühlen, daß uns der Dichter einentieferen Blick in die Natur dieser Veränderung, in ihre Quelle in dem Ver-änderten selbst hätte thun lassen sollen: er hätte uns zeigen müssen, wie sievorgegangen sei, wie sie innerlichst in dem Menschen vorbereitet und nurdurch jene Offenbarung vollendet war; denn in diesem so gezeichnetenHelden wird uns der Uebcrgang vom Weltlichen zum Inneren allzuplötz-lich und uucrklärbar. Seit Lambrecht aber, sahen wir, hatte sich die Weltgewaltig geändert; jenes innere Gähren nahm in dem folgenden Ge-schlcchte so plötzlich überhand, daß wir nun so schnell einen großen Schrittweiter thun können. Der Parzival stellt also einen Jüngling auf, vollvon dem äußerlichen Thatentcicb, voll von der Weltstürmerei der Helden-zeit, aber von seiner der Außenwelt entfremdeten Erziehung an lag inihm der Keim zu einer ganz neuen Welt und zu ganz neuer Sinnesart.Es bricht sich daher in ihm dies Wesen; er gibt das Weltliche auf undopfert es einem höheren Streben; allein Schade, daß uns in ihm selbstdies streitende Wesen nicht genug versinnlicht ist. Der Dichter läßt unsseinen Helden in seinem ritterlichen Thun und Treiben nicht genug sehen,er rückt einen großen Theil seiner Thaten ganz außer unfern Gesichts-
367) Aesthetische Versuche von W. v. Humboldt. I>. 159.