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Blute der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
des Gedichtes. Es ist z. B. ganz überraschend, wie schön und wie ent-sprechend dem neueren Charakter der Dichtkunst das Fatum im Parzivaleingcführt ist. Der Held des Gedichtes trägt cs in sich selbst mit sich; cöliegt nicht außerhalb der Welt, in der er sich umtreibt. Dies ist der gan-zen (damals so grellen) Ansicht der neueren Zeit höchst angemessen. Ganzvortrefflich ist dabei das scheinbar Zufällige in den äußeren Begebenheitenmit dem Nothwendigen in seiner inneren Entwickelung in Beziehung undVerknüpfung gesetzt, in der räthselhasten und gcheimnißvollen Art, wiees dem Menschen so oft in der Wirklichkeit widerfährt.
Der Charakter, der dem Parzival geliehen ist, weist ihn von derwirklichen Welt mit einer eignen unbegreiflichen Sehnsucht, wie wirsehen, ans etwas außer dieser oder über dieser Gelegenes hin. Der Sitteund Gewohnheit nach gehört er noch ganz der Ritterwelt an, und beiden ersten Eröffnungen des Trcvrizent freut ec sich (472, 1), daß dieGralpflege den Kampf nicht ausschließt; dem Drang seines Inneren nachaber gehört ec einer edleren höheren Richtung an: man möchte verglei-chen, wie unser fränkischer Ritterömann und Dichter selbst (115, 11) seinSchildesamt vor seinem Sängeramtc preist, ohne gewiß das größereGlück seines Lebens jenem zu danken, geschweige seinen Ruhm. Nichtallein liegt in dem Alter des Parzival die Erklärung zu diesem Wcgwen-deu vom äußerlichen aus ein innerliches Bestreben, sondern auch in demZeitalter der Menschheit die Erklärung der Entstehung eines Gedichtes,wie dieses, das gleichsam das erste Beispiel des vollständigen Wcgwcn-dens von aller sinnlichen, äußerlichen Dichtkunst der Alten zur geistigen,psychologischen der Neueren ist. Sobald die Dichter den inneren Men-schen zu ihrem Gegenstände nahmen, mußten sie natürlich die äußerenFormen und die alte Plastieität verlassen. „Die Absonderung unseresWesens von der Natur ist eine natürliche Folge der erhöhten Thätigkeitunseres Geistes, welche, die sinnlichen Formen verlassend, sich allein anden reinen Gedanken hält. Aber sie wird zugleich manchmal durch zu-fällige, nicht immer günstige Umstände veranlaßt. Eine minder Helle,freundliche, glückliche Stimmung kann uns gleichsam gezwungen in unsselbst verschließen und diese beiden Gründe wirken nothwendig zusammen,sobald die Menschheit ihr erstes Jünglingsalter verläßt. Aus diesem Zu-stande nun entspringt die Empfindung und die Stimmung, die man imGegensätze der naiven die sentimentale nennt, und Hieristes, wo derCharakter der Alten und Neueren von einander abweicht. Diese Trennungkonnte nicht anders als auf die Kunst einen entschiedenen Einfluß aus-üben; sie mußte einen modernen Charakter annehmen, wenn sie von