Wolfram von Eschenbach.
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zwar in allen jenen Helden britischer Romane eine Anlage, so fanden wirdoch zugleich, daß weder die geringste Kunst in der Ausführung da war,noch auch daß die Charaktere irgend großartig so gefaßt waren, daß sieals Vertreter großer Bestrebungen in der Zeit gelten konnten. Von jetztan sehen wir in den Epen und Romanen Gegensätze in den Charakterenhäufiger werden, und wie die britischen immer nur Einen zum Mittel-punkte nehmen, so werden seit Garin le Loherain bis zu den Amadis undDon Quirote nun häufig zwei Helden, oft Brüder, und meist in scharfenGegensätzen nebeneinander gestellt; und man kann es in der französisch-italienischen Romanenlitcratnr sehr deutlich lernen, wie erst mit der Zeitdie romantische Kunst des Ariost zu solch einer Mannichsaltigkcit der Ge-stalten gelangen konnte. Wenn mau neben alle andere Charakterschilde-rungen in den britischen, französischen und italienischen Gedichten unfernParzival hält, so wird man erstaunen, wie überlegen er ist. Dieser Jüng-ling der Tölpeljahre ist eine Hauptfigur zahlloser Romane jener Zeit.Noch in Wolfram's Willehalm ist jener Rennewart eine, aus einem an-deren, aber nicht minder vortrefflichen Gesichtspunkte angelegte Gestaltdieser Art, und von den ersten Anfängen etwa im Havelok, der ein Vor-bild des Rennewart abgeben kann, bis zu Ariost's Roland, der diese Reiheschließt, können wir in einer großen Masse für eine physiologische Schil-derung der Menschheit diese kritische Periode ihres Jünglingsalters studi-ren. Wir behaupten geradezu, daß für diesen Zweck der Parzival beiweitem die bedeutendste und am tiefsten erfaßte Figur ist; nur kostet esStudium und Anstrengung, die Erzeugnisse einer so eigenen uns fremd-artigen Zeit von solchen Seiten her betrachten zu lernen. Man crräth,daß wir dem, der auf poetischen Genuß auögeht, den Parzival nicht sosehr empfehlen wollen, als dem, dem es um Erkcnntniß überhaupt zuthun ist. Für einen solchen ist die tiefsinnige Behandlung berechnet; nurein solcher wird die Geduld haben, sich durch die vielen Tausende vonVersen und durch die schwierige, aber jede neue Anstrengung neu beloh-nende Sprache hindnrchznacbeiten. Gerade dies mühevoll errungene Ver-ständlich aber macht uns dann, weil es zugleich unsere Erkcnntniß be-reichert, Dichter wie diesen oder Dante so außerodcntlich werth, und dieserklärt die ungemeine Wärme und Begeisterung der wenigen Kenner,neben der das grundlose Verschmähen der oberflächlichen Näscher nur ihreeigne Beschränktheit und Flachheit blosstellt, ohne daß wir damit denkunstsinnigeren Beurthciler treffen wollten, der im Gedichte zuerst das Ge-dicht und erst dann Belehrung und Nahrung für den Geist sucht. Im Par-zival geht auch dieser nicht leer aus, doch liegt hier das kleinere Verdienst