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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

angewachsen. Alles waS sich auf die Verherrlichung des Hauses Anjoubezieht, konnte von Chretieu nicht ausgehen, der sein Gedicht im DienstePhilipps von Flandern schrieb. Die Geschichte Gamurcts ist als einVorspiel vorgeschoben, in welchem nordgermanische Namen und Sagen-stoffe Hereinspielen. Die Sage von dem Priester Johannes, von der Ent-führung des Grals, von seinen künftigen Geschichten, die im Titurelweiter geführt sind, ist eben so wenig bei Chreticn zu finden. Der sin-nige Hintergrund in der Charakteristik Parzival'ö, die innere Läuterungseines Wesens, und ebenso die geistige Auffassung der Gralsage, dieApotheose des geistlichen Ritterthums der Tempelherrn, die christlicheVerklärung des Ritterdienstes, die ritterliche Verklärung des Gottes-dienstes, die höhere Vereinigung des bcschanlich-aseetischcn und thätig-kriegcrischcn Lebens, dies sind Ideen, mit denen erst Kiot und Wolframihre Gedichte vom Gral durchdrungen haben. Daß diese Beziehungender Sage auf die Tempelherren und ihre Geheimnisse erst im 12. Jahrh.entstanden sein können, ist an sich klar. Wie vieles von dem Thatsäch-lichen der Gralsage aber die Chreticn und Kiot ans älteren Quellen,und aus welchen sie es hatten, ist unmöglich zu sagen. Die Quellen,auf die unser deutscher Dichter (Parzival 454, 17) verweist, die heidni-sche Schrift eines Flegetaniö in Toledo und die lateinischen Chronikenvon Britannien, Frankreich und Irland, die Kiot in Anjou gefundenhaben sollte, wird man so gut für eine bloße Fabel halten, wie dieOffenbarungen des Eremiten deS 8. Jahrh., von denen in Helinand'sChronik^) zu lesen ist. Daß eine Sage von dem englischen ApostelJoseph von Arimathia und von der heiligen Nachtmahlschale, in der erdas Blut aus Christi Wunden aufgefangen haben sollte, im Umlaufwar, ist möglich genug; daß sie in Südfrankreich und Spanien eineAusbildung erhalten hatte und mit demTemplerwesen in Verbindung ge-bracht worden war, ist aus dem provenzalischen Namen des Grals(UranalSchale), aus dem spanischen Schauplatz der Sage, und we-gen der Bedeutung und Macht der Ritterorden in Spanien nicht un-wahrscheinlich. So wuchsen diese verbundenen Sagen verschiedener Zei-ten und Völker in ein großes eneyclischeö Gedicht zusammen, das beiKiot wahrscheinlich Alles und vielleicht noch mehr umfaßte, als was wirim Parzival und Titurel zusammen lesen. Wie das Ganze bei Chreticnvon Troycs aussah, so war es bei ihm, und, trotz der geistigen Bedeut-

364) Auf die Stelle, die bei lissier bibl. Ligtere. 7, 82 und ausgezogcn beiP. Paris inss. kr. 1, 172 zu lesen ist, ist neuerdings viel zu viel Werth gelegt worden.