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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Winsbckc, auf den wir unten zurückkommen, charaktcrisirt. Allein wieviel Theil er auch als Person an diesem sittlichen Geiste habe, ihn demStoffe seiner Dichtung mitzutheilcn, dazu war er nicht Dichter genug,und sein Stoff bot zu wenige sittliche Grundlage dazu dar. Selbst denbesten Dichtern jener Zeit gelang es nicht, die durchempsnndene Ge-sinnung auS dem Leben in die Poesie lebendig übcczntragcn; und sosehen wir auch die unseres Wirnt im WigaloiS nur gleichsam außerhalbdes Gedichtes hingestcllt, um ihren Mangel in dem Gedichte selbst destoschmerzlicher zu empfinden. Wenn ja Wirnt seinem WigaloiS grundsätz-lich jenen edelsten Frauendienst lieh, wo könnte er in diesen StoffenGelegenheit finden, ihn auch so zu charakterisircn, wie er ihn sich denkenmochte? Wenn er ihm die fromme Ritterlichkeit lieh, die auch mit demGebete außer dem Schwerte Wunder verrichtet, wie sollte das nichtmitten in den Abgeschmacktheiten verloren gehen, in denen er die wun-derlichen Abenteuer erzählt, die WigaloiS auf Burg Korntin zu bestehenhat, bis er den Heiden Roaz erlegt und dessen Weib aus Hcrzenölicbcoder Herzeleid über ihm gestorben ist? Wer würde je eine so völligeScheide zwischen der Gesinnung in dieser epischen und jener lehrhaftenKunst für möglich halten, wenn man nicht die Urkunden vor sich sähe?Wer würde selbst dann die Thatsache begreifen, wenn man nicht bedächte,daß die ganze Ritterwelt in ihren Thatcn durch die Büchcrwclt und dasReich der Einbildung gehemmt ward, daß von Stufe zu Stufe seit denalten Hcldcnzciten die äußere Thätigkcit und Waffenmacht absank, daßmit dieser die äthiopische Dichtung ihren Werth stets mehr verlor. Kaumdaß man sich in der Zeit der Hohenstaufen ein wenig wieder zusammen-raffte, um sogleich die einen in Rohheit zu versinken, die anderen er-schreckt sich auf sich selbst zurückznzichen. Die Besseren flüchteten sich nunhinter Grundsätze und bildeten diese desto reiner ans, je mehr sich Andereder herrschenden Charakterlosigkeit frei überließen. Dem entsprechendsuchte die Poesie nun keinerlei Bedeutung mehr in den Handlungen,sondern nur in der Denkungsart und Gesinnung, wie man z. B. imParzival den Helden im Hintergründe Thaten verrichten hört, abernicht sieht —, oder aus der Gegenseite blos in der Darstellung vonHandlungen, abgesehen geradezu von allcr-nnd jeder Gesinnung, sie seigut oder schlecht, wie im Tristan der Held ein bloßer der Anrechnungunfähiger Spielball deö Glückes wird. Diese Gegensätze scheinen sich da-mals in aller Welt ausgcbildct zu haben, aber doch hat keine Nation imMittelalter zwei so merkwürdige Dichter anfznstcllcn, wie Wolframund Gottfried, die jenen so vollendeten Gegensatz bildeten, wie er in