Hartmann v. Aue n. Wirnt v. Gravenberg.
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Seele leuchtet an Wirnt überall hervor und ein erleuchteter, Heller Kopf,was beides ihn ungemein liebenswürdig macht. Es mag ihm an einerstrengen Richtung, an einer festen Lcbensansicht, wie Wolfram'S oderGottfried'ö, fehlen, wie auch sein Gedicht nichts von der Gleichmäßigkeitund Geschlossenheit deS Jwcin, von der Herrlichkeit und Tiefe des Par-zival noch von der Vollendung deö Tristan hat, allein er ist erfüllt vondem herkömmlichen Siltengcsetz einer sittenstrengen Nation, die damalsschon einen Schatz von Lebensweisheit besaß, aus dem für das reichsteGcmüth noch Bereicherung zu schöpfen war. Es ist eine Neigung zulehrhafter Betrachtung in Wirnt, aber sie kleidet ihn gut: denn daöSittenrichterlichc, daS auch dem Walther eignet, ist damals das einzige,was in unserer Dichtung neben dem Volkscpos cigenthümlich deutsch ist.Wirnt hat daher auch schon Hartmann'S Vergnüglichkeit nicht mehr, dernoch keine Klage und keine finsteren Grillen kennt; mit dem Lehrhaftentritt hier zugleich Mißmuth über die Gegenwart ein und der sehnendeRückblick in die alte Zeit. Noch paart sich aber mit diesem Mißmuthnicht eine so verzweifelnde Ansicht wie bei den späteren Dichtern, sondernes spricht sich darin nur das unter den Umständen angemessene Mißfallenan der einreißenden Zerrüttung des Zwischenreichs aus. Die Walther,die Wirnt und Thomasin thcilen sich noch zwischen Strenge und Mildeder Beurthcilung, und der letztere wie der Winöbcke verwirft das Finster-sichtige und Herbe namentlich in der Verleumdung deS geistlichen Stan-des und tadelt darum auch den Walther. Diese Männer berühren sichdaher in ihren Ansichten beständig, und wo Wirnt klagt, daß das höchsteLeben der Erde, das Rittcrthum, in Räuberei ausgcartet ist, daß dereinfältige alte Minncdienst verschwindet, daß die Gottcslicbe ausgegeben,die Gewalt gekrönt, die Treue schartig, die Welt durch Reichthum undRuhmsucht verändert ist, da erinnert sein Ton weit entschiedener an Wal-ther als an Hartmann. Wo er den Gawein seinem Sohne gute Lehrenertheilen läßt, redet er, wie auch in der schon angeführten Stelle über.das Verliegen, in den Ansichten und in einzelnen Ausdrücken, die in denLehren des Winsbeke, eines Landsmannes von Wirnt ^), wiederkchren.Dasselbe ideale Ritterthum, das in diesem schönen Reste ritterlicher Mo-ral gelehrt wird, durchdriügt auch den Dichter des Wigalois, und ermöchte gerne auch sein Gedicht selber mit der ähnlichen praktischen Weis-heit, mit der milden und kräftigen Gesinnung durchdrungen, die dem
Zü8) Windsbach liegt etwa v Meilen vvn Gräfenberg, zwischen Ansbach undSchwabach.