Hartmann v. Aue u. Wirnt v. Gravenbcrg.
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senen ansieht, dcr sie strafen und ermahnen und auf Besserung der Men-schen ausgehen läßt und jede gute und weise Einrichtung und jede edleund schöne Tugend von ihnen und ihren Lehren herlcitet. Man sicht,es ist das duldende weibliche Prinzip in dieser Dichtkunst, was hier imSittlichen an jeder kräftigeren Wirkung verzweifelt, und, was die poeti-sche Wirkung angeht, hier, wie bei Hartmann, aus dessen armen Hein-rich jene letzten Worte bei Wirnt entnommen sind, geradezu die Dichtungwie für eine trauernde, sinnige, beschauliche Stimmung vorzüglich be-rechnet ansieht.
Wir wollen einen bloö bruchstückartigen Auszug des Gedichtesgeben, nur um zu zeigen, wie oft und vielseitig dcr Dichter seinen Stoffverläßt, um sich seinen Betrachtungen zu überlassen. Die Erzählung be-ginnt mit dem Erscheinen eines Ritters an Artus' Hose, dcr die Ritterauffordert, ihm einen kostbaren Gürtel abzufechtcn. Er wirft alle, auchden Gawein, den er gefangen mit sich führt. Ans seiner Burg findet derGefangene guten Empfang von dcr Königin und des Siegers Schwestcr-kind, Floric, deren Schönheit und reicher Schmuck mit so vielem Auf-wand« beschrieben wird, daß sich Wirnt veranlaßt findet, ähnlich wieGottfried zuweilen, über dies Herkömmliche in der poetischen Erzählungzu scherzen; man solle es ihm nicht übel deuten, daß er sie so schönkleide: cs schade ja Niemand, wenn er noch so viel Seide und Bordenund Zierat ans sie häufe — mit Worten. Zwischen dieser Jungfrau undGawein kommt, wie häufig schon da war, eine schnelle Heirat zuStande, schnell aber auch wieder eine Trennung, denn einst reitet er wegohne jenen Gürtel mitzunehmen, den ihm der Schwiegcrohm geschenkthatte und ohne den das wunderbare Land nicht zu finden ist, wo Floriewohnt. Diese erhält nachher einen Sohn, unfern Wigalois, den sie er-zieht und mit dem Gürtel auösendct. Er kommt an Artus' Hof, em-pfiehlt sich gleich durch Bestehung einer Tugendprüfung und wird demGawein zu besonderer Pflege übergeben, ohne daß ihn dieser kennt. Ein-mal erscheint eine Magd, die zu einem Abenteuer einen Ritter anffor-dert; Wigalois erbittet sich die Ucbcrtragnng, jene aber verschmäht ihnwegen seiner Jugend. Er reitet ihr aber nach, legt ihr erst in Bekäm-pfung eines Ritters, dann in Befreiung einer Jungfrau von zwei RiesenBeweise von seiner Tapferkeit ab. Schon bei dieser Gelegenheit legtWirnt seine zarte Bewunderung der Frauen an den Tag, „von denenuns alle Freuden kommen." Ein Hündchen läuft vor ihnen her, und dadergleichen eine Leidenschaft der britischen Heldinnen ist, so fängt esWigalois und gibt es der Jungfrau, und ersticht sogleich einen Mann,