k
878 Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
König Lion zur Ruche ves Amire Eingang gefunden. Diese willkürlicheVerknüpfung verschiedener Sagen- oder Dichtungselemente, die schon inWirnt's Quelle Statt gehabt haben wird, trifft dann passend zusammenmit der Freiheit und Willkür in Wirnt's BehandlungSwcise, von welcherSeite er im geraden Gegensätze zu Hartmaun steht, der seinen Vor-lagen gewissenhaft folgte. Wirnt hatte nicht einmal ein geschriebenesBuch vor sich; er ließ sich von einem Knappen die Geschichte münd-lich erzählen und erzählte sie in ganz freier Weise nach. So äußert erauch da, wo er von seiner Absicht spricht, den Gawanides zu behandle«,er werde ihn mit seiner Zunge zerlegen und ganz neu Herstellen. So istes in seinem WigaloiS ein Zug, der in Epopöen britischen Ursprungsselten vvrkommt, daß Wirnt nach dem Beispiele der Fahrenden, die im12. Jahrh. deutsche Sagen bearbeiteten, einen zeit- und landsgenössi-schcn, in Liedern gefeierten Helven ein Denkmal setzte, indem er demGrafen von Hoper eine Rolle darin zu spielen gab. Dazu kommt dannseine Art, die Erzählung mit steten Bemerkungen, wie sie ihm Menschcn-kenntniß, sittliche Grundsätze, Sagen und Dichterknnde eingaben, zu be-gleiten. So bringt er gleich im Eingang zwar eine ganz ähnliche Ein-leitung, wie alle diese Gedichte haben, allein mit vielfachen Beziehungenaus den Dichter selbst. Ec wendet sich, wie seine Vorgänger, zu denGuten und Reinen, und weg von den Falschen. Sogleich aber geht erüber auf seine Fähigkeiten und Bestrebungen. ES fehle ihm am Sinne;mit nicht großem Erfolge habe er von früh auf nach der Gunst und demBeifalle der Weisen gesucht; sein großes Unheil und seine geringenGeistesgaben hätten das gemacht. Dankend müsse man sein gutes Be-streben aufnehmen, der Gedanke habe ihn geködert, daß mancher Reicheseinen Schatz verschließe, und daß, wenn er, der Arme, etwas Gutesleiste, man cö darum um so mehr anerkennen werde. Auch er will nicht„sein Gold vor die Schweine werfen," er spricht zu denen, die gute Redelieben; die ziehen daraus Gewinn für ihr geistiges Heil; zu den Bösenwill er nicht reden, die wohl die Ohren her- aber das Herz wegwenden,lieber will er seine Rede in den Wald schreien und sich am Echo ergötzen.—Da alle diese Männer an Besserung der Bösen verzagen, so ist die ein-zige Aufgabe ihrer Kunstwerke, den Guten gute Lehre zu geben, und denTrauernden süße Linderung zu schaffen. Nicht einmal die Franzosen ha-ben den Zweck ihrer Poesien so eingeschränkt; im Gerard de Roussillonleiht man den Romanen eben so die Wirkung auf Besserung der Schlim-men; und dies ist auch der Zweck der Alten, wie ihn Aristophanes demAeschylos in den Mund legt, der die Poeten als die Lehrer der Erwach-