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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
wäre bisher gewiß der festen Meinung gewesen, daß jene zarten Er-örterungen und Ergüsse über die Macht der Liebe, jene feinen Bemer-kungen über das Verliegcn aus Liebe (empii-er per nmor), jene subtilenSpiele der Rede, jene zarte Verdeckung der Härten und Blößen der wa-lisischen Sage Hartmann's Eigcnthnm seien, da sie mit dem züchtigenund reinen Gemüthe des Dichters, wie man es allerwege erkennt, soinnig verwachsen scheinen, wie nur ein Eigenthum sein könnte. Dieserweist sich anders; und aus Scheu vor der Vergleichung, wie einmalLachmann zu vermuthen geneigt war, hätten die Franzosen ihren Löwen-ritter allerdings nicht so lange zurückzuhalten brauchen; denn fast Alles,was im Jwcin durch Bildung, Geist, Menschenkcnntniß oder irgend einanderes Verdienst anzieht, gehört dem Franzosen. Das Raisonncmentüber die Minne und ihre Art (von V. lö37) an, die Seclcnschildcrnngin dem sich anspinnendcn Verhältnisse Jwein's und Laudinenö in ihremganzen Umfange, ihre erste Unterredung, die warnende Rede Gawein san Jwein (mit Ausnahme der Anführung des Ecck), der Inhalt desGesprächs mit der Minne (V. 2971 u. ff.), das sich im Französischen vielnatürlicher mit den Worten eors und euer fortspielt, und ebenso daszweite (V. 7027 u. ff.), Alles findet sich dem Wesen nach bei Chrctienund nur die Form des Gesprächs mit Frau Minne ist Hartmann eigen:das hatte er ans dem Minnelicd und aus Veldeke gelernt. Die Art derErzählung ist nachgeahmt; Reim und Vers, ihr Bau und ihre Reinheithaben bei Chretien ihr Vorbild; alle Einzelnheiten der Manier, diekurzen Wechselreden und Stichomythicn, die Häufung von refrainartiggebauten Versen, das Ballfangen mit diesem oder jenem Worte, Allesist dort wie hier. Nur ist in dem Vortrage größere Weichheit, wie indem durchscheinenden Gemüth des Deutschen; auch das Empfindsame,die Freude am Vogelgcsang, die Minnegesühle sind bei aller Ucberein-stimmung etwas verschieden gefärbt, und man kann sagen, daß in demBilde und Begriffe von Amor und Minne der ganze Unterschied vonHandlung und Färbung der erotischen Srenen und Empfindungen beidem Franzosen und Deutschen gelegen ist. Einzelne Abweichungen indem Thatsächlichcn und der Auffassung fehlen nicht. Sie erklären sichzum Theile aus dem größeren Zartgefühle und der GutmüthigkeitHartmann's^). Doch konnte dieser auch eine andere Recension des
355) Wie Lunete ihrer Herrin räth, sich einen neuen Vertheidiger zu wählen, sagtChretien: