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Blürc der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
die schalkhnft-gutmüthigc Behandlung vortheilhaft vorsticht. Im übrigenaber bewegt sich daS Gedicht ganz in dem Gleise, in dem wir seine Vor-gänger gehen sahen. Es ist, als ob ein Ceremonieugesctz auch hier jedenSchritt der Abenteuer vorgeschrieben hätte. ES darf nur eine Begeben-heit anfangcn, so weiß man auch schon daS Ende; eS darf nur ein Un-glück hercinbrecheu, so weiß man schon, daß eS sich in Glück auflöscn,eS darf eine Gefahr drohen, so weiß man, daß sic überwunden wird.Mau nimmt daher weder au Glück noch an Unglück Theil. Wedernatürliche Leidenschaften im Menschen, noch natürliche Verwickelungenin den äußeren Verhältnissen sind hier die Triebfedern der Handlungen,sondern die Launen der Frauen, die Grillen der Männer, die Conventen;der Gesellschaft. Man würde diese Eintönigkeit oder den Geschmack derMenschen an dieser Eintönigkeit nicht begreifen, wenn man nicht wüßte,daß eS für Vielleser einen ganz eigenen Reiz hat, eine Nomanintriguc zucrrathen, so wie umgekehrt solche irrcleitcnde Compositionen, wie sieHermeS in neuerer Zeit gemacht hat, wirklich so unleidlich wie unnatür-lich sind. Eö paßte ganz zu dem Sinne jener friedlichen, mit wenigemvergnügten, stillen Menschen/daß sic an diesen gleichen und ruhigen Er-zählungen ein mäßiges Gefallen lieber suchten, als sich von Fremdartigem(von fremder, wilder Mähre) unangenehm berühren und leidenschaft-lich aufregcn zu lassen. Dieser von gesellschaftlichem Frieden auSgeben-den, auf ruhige, gesellige Unterhaltung abzweckenden DichtungSart isteS daher ganz anpassend, daß ihr z. B. in der Zeichnung von Charakterennichts gelingt, als der deS Friedenstörers und des Feindes der Gesell-schaft. Es ist nichts belehrender, als sich von Zeit zu Zeit vergleichendnach den Gestalten nmzusehcn, die sich in den mittelalterlichen Dichtungenähnlich sehen: hier gewahrt man am deutlichsten ihr gegenseitiges Ver-hältniß. Im alten VolkSepos sehen wir überall ein böses Prinzip ent-gleisen; bei Griechen und Deutschen ist cs daS Schicksal, was den Sa-men der Zwietracht auSstreut, in den Nibelungen ist cö Hagen, derseinen Arm leihen muß; die Verhältnisse, seine Neigung, menschlicheSchwäche, Diensttreue, daS Verschiedenste greift zusammen, seine Hand-lungen zu bestimmen, und die ganze Gestalt ist eine der bedeutendsten undkreislichst gehaltenen. Wie gewaltig ist dieser Hagen noch gegen den Ga-nelon deS französischen Epos! Doch tritt auch dieser noch in wahrerHcldenuatnr auf. Nun halte man aber die jämmerliche Figur des Keicdagegen: er hat weder die Tugend noch die Laster von jenen, aber er istganz eigentlich das böse Prinzip der guten Gesellschaft. Nichts bezeichnetdie abgeschwächte Natur dieser britischen Dichtungen so genau. Im