Hartinann v. Aue u. Wirnt v. Gravenberg.
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Entwickelung mit einer psychologischen, wäre vielleicht dem Gedichte auf-zuhelsen gewesen, obgleich wir unö wohl erinnern, daß Göthe schon andem ekeln Gegenstände des Miselsüchtigen, gleichsam in dem noch vcr-feinertercn Geschmacke eines noch höfischeren Dichters, Anstoß genommenhat.
Diesen beiden Legenden liegen nun die zwei Romane von Erek^')und Jwein^H gegenüber, bei denen sich uns ganz ähnliche Bemer-kungen anfdrängen. Beide gehören zu jenen britischen Romanen dergewöhnlichen Art und beide-liegen wohl an den Grenzen der Hartmann-schcn Dichtung; im Erek (um 1195—7) ist die formelle Vollendungnoch nicht, wie im Jwein (um 1203). Der Herausgeber hat schon her-vorgehoben, daß im Versbau noch Härten unterlaufen, daß auch dieSprache nicht die Reinheit zeigt wie im Jwein, wo unhöfische Ausdrückeund'französische Worte, die hier noch Vorkommen, mehr vermieden sind.An die Beschreibung eines Pferdes werden im Erek gegen 500 Verse ge-wandt; und so würde auch die Lobpreisung eines Pflasters, das die Fei-murgan hinterlassen hatte, und die Schilderung dieser Zauberin nichtmehr in dieser Weise im Jwein Vorkommen. Die Charakteristik des Kciein beiden Gedichten lehrt wohl am besten, wie der Dichter im Zeichneninnerer Zustände und Charaktere und überhaupt an Tiefblick und Ein-sicht zunimmt. Beides war bei diesen Stoffen so nöthig, die so vieleLücken im innern Zusammenhang ließen und so vieles Unverstandene dar-stelitcn und erzählten, so daß man über den Mangel an hinreichendenMotiven den deutschen Dichter schwerlich tadeln darf. Es ist ganz eigen,wie sich Hartmann hier bei den Unwahrscheinlichkeiten der Erzählungwendet und windet. Der Kern des Erek deutet wie der Lanzelot undParzivat auf einen ticfern Plan, der aber so wenig wie im Lanzelot auö-gcsührt ist. Der Held erwirbt sich ein Weib, Enidc, die Tochter eines„Edelarmen"; und in den ersten Freuden der Ehe geht mit ihm eineAenderung vor. Er Verlag sich bei seiner Lieben und verlor Ruhm undNamen. Man gab cs ihr Schuld, sie grämt sich darüber und läßt csihn wissen. Da reitet er auf Abenteuer und Thaten aus, zwingt aberdie Tadlerin mitzugehcn, und verbietet ihr zu reden. Es bedrohen ihndrei Räuber, die er nicht gewahrt; sie warnt ihn. Weil sic geredet, mußsie die Pferde der Getödtetcn pflegen. Diese Geschichte wiederholt sichmit fünf anderen Räubern und so fort, und Erek wird stets zorniger
351) AuSg. von Moriz Haupt. 1839. Hebers, v. S. O. Fistes. 1851.35?) Ausg. von Benecke nnd Lachmmin. Hebers» v. Bandissin. 1845.Ger», d. Dicht. I. Bd. 24