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Blüte vcr ritterlichen Lyrik und Epopöe.
(mit Ausnahme derjenigen, deren innere Eigenthümlichkeit sie mehr zuMenschen der vergangenen als der gegenwärtigen Zeiten macht) nichtsals ein Wunder, wenn in dem armen Heinrich das kindliche Ge-schöpf, das mit seinem Blute seinen aussätzigen Herrn retten will, nichtsowohl aus Mitleid oder aus einem natürlichen Gefühle oder Antheil,als vielmehr aus der Grille, daß dies Opfer zu seinem eigenen Seclen-heile gereichen werde, sich zum Tode drängt; wenn es, nachdem es unterdem Schlachtmesser schon gewesen und wieder erhalten wird, über dieseRettung verzweifeln will, wenn es sich von den heiligsten Banden derNatur, von Vater und Mutter lossagt, dercu Stütze es sein sollte, umdes ewigen Lebens desto schneller theilhaftig zu werden; wenn cS jedejugendliche Lebenslust auch nicht der Spur nach kennt; wenn cs zumTode wie zum Tanzsaale geht und, indem es seine Eltern von der Noth-wcndigkeit des Schrittes überzeugt, eine Bercdtsamkeit entwickelt, dieihm nur der heilige Geist eingcbeu konnte; für uns ist dies Alles nichtallein wunderbar, sondern Wunder; Wunder aber duldet die Dichtung,wie die Geschichte, nur da, wo sie selbst nicht weiß was Dichtung undGeschichte ist, und selbst das Wunderbare ist schwer erträglich, wo csaus gefabelten und unbegreiflichen Kräften hergelcitct ist, die nicht ge-meinsame Sympathien der Menschen anerkennen. Nicht, als ob dieLegende an sich ein für allemal verwerflich wäre; sie ist vielmehr eine soschöne Seite in der alten Volkssage, und Hartmann hat für sie einenso offenen Sinn, und trifft gerade den Geist dieser Sage von Häuslich-keit und treuer Hingebung so schön mit dem idyllischen Ton seiner Er-zählung, daß, wenn man einmal diesen Stoff als gegeben und unan-tastbar betrachten müßte, man die sinnvolle Behandlung bewundernwürde. Allein der Dichter soll den Stoff erst gestalten, und wie man ausdem Schlechtesten mit wahrer Kunst das Beste zu machen fähig ist, hatGottfried in seinem Tristan bewiesen. Wie reine poetische Wirkung dieLegende machen kann, haben so verständig-sinnige Männer wie Götheund Hans Sachs gezeigt, die aber gerade ihre Göttersöhne und Wunder-thätec dann in die gewöhnlichsten Tagcsgeschäfte und Begebenheiten ver-setzten. Die zu große Achtung vor dem Stoffe hat in dem Mittelalteraller Dichtung, und man möchte fast sagen, bei uns der Kritik dieserDichtungen geschadet. Und doch ist es eine unbestreitbare Thatsache, daß,je weiter unsere damaligen Dichter sich von ihrem Stoffe entfernten, umso trefflicher ihre Werke wurden. Im armen Heinrich ist jedes Ein-zelne vortrefflich; mit einer Rückführung der wirkenden Beweggründeauf menschliche Empfindungen, durch Vertauschung der wunderhaftcn