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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lvrik und Epopöe.

ward gerade von einem unwillkommenen Bewerber belagert, er befreitsie, und sie hcirathet ihn, ihren Sohn, da sie doch vorher ihre Kleideran ihm wieder erkannt hatte! Zn spät entdeckt sich das Verhältnis bei-der; siebleibt in Buße; Gregorius wandert im armen Gewände weg,duldet jede Schmach, läßt sich zuletzt von einem Fischer mit einem Fuß-eisen an einen Felsen im See festschmiedcn, und lebt hier 17 Jahre ohneSpeise. Jetzt ward der Pabststuhl ledig und eine Stimme Gottes bezcich-met den Römern unfern armen Büßer zum Nachfolger. Sie holen ihn;und zum Glücke hatte gerade der Fischer den Schlüssel zu dem Fußeisenin einem Fische wiedergefundcn. Dies und der Wiederfund jener Tafelbestimmt ihn den Ruf anzunchmen; er ward als Pabst Trost und Rathaller Sünder, und dies bewog denn auch seine Tante, Mutter und Frauzu ihm zu kommen: so sehen sie sich noch wieder. Wem ein solcher Ge-genstand erbaulich ist, mit dem ist nicht über den Werth von dessen Be-handlung zu streiten; der wird dann Philosophie und Weisheit hinterdieser kahlen Erfindung suchen und die alten Ocdipusgedichte gegen dieungelenke Legende herabsetzen. Geschichten dieser Art, ganz abgesehen vonaller legendarischen und religiösen Beziehung, sind an sich immer ekel;die Alten versteckten sie in ihren Tragödien, gingen rasch ander wider-lichen Thatsache vorbei, und verweilten auf den entsetzlichen Empfindun-gen und Leidenschaften der Menschen und auf dem Fall des Schicksals,während hier ein so grausiger Stoff mit den gewöhnlichen Reim- undVerständeleien dieser Dichter und in einer behaglichen ebenen Erzählartvorgetragen ist, die nur darum nicht Prosa ist, weil sie in Versen aus-tritt. Zu der Reinlichkeit und Gefälligkeit seiner Erzählung konnte übri-gens unseren Hartmann schon in dieser Arbeit der Wetteifer mit seinerQuelle spornen, einem lateinischen gereimten Gedichte von großer sprach-licher GewandtheitbE) ; Pas Verdienst originaler Dichtung tritt hier wiebei allen erzählenden Werken Hartmanns ganz in den Hintergrund.

Passender sür diesen Erzählton und für die sanften Gemüther dieserDichter ist schon die schwäbischeVolkslegeude vom armen H ein rich^),die kürzere Erzählung eines heimischen Stoffes, gleichfalls nach einerlateinischen Vorlage. Auch für dieses Werkchen haben sich mehrere Stim-men so vortheilhaft ausgesprochen, daß man nur mit Scheu ein etwas

348) Leo fand ein Bruchstück derselben; s. Blätter sür lit. Unterhaltung 1837.X. 353. Vgl. I. Grimm in den lat. Gedichten des I I. und 13. Jahrh. p. X1.VII.

349) Ausgabe von Grimm; oder in Lachmann'S Auswahl aus den hochdeutschenDichtern des 13. Jahrh. Berlin 1830. und bei Haupt a. a.O. Uebersetzt von Simrockund früher von Büsching.