Hartmann v. Aue n. Wirnt v. Gravmbcrg.
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ihrer klarsten und lautersten Entfaltung gebracht zu haben, ist das haupt-sächlichste Verdienst HartmannS.
Hart mann, Dicnstmann zu Aue (im Schwäbischen), reicht nochin die Zeit der älteren Minnesänger zurück, und hat Friedrich'S I. Kreuz-zng mit gemacht. Wir besitzen, seitdem Haupt seine „Lieder und Büch-lein"^") neben dem armen Heinrich herausgcgebcn hat, seine Werkesämmtlich im Druck. Seine Lieder treten nicht aus dem allgemeinenCharakter des Minncgcsangs heraus; seine Büchlein (so benennt er einsdieser Stücke selbst) beschränken sich ans einen Minncmonolog und aufein Gespräch zwischen Leib und Herz, wer von beiden Ursache und Kum-mer einer nicht begünstigten Liebe mehr trage. Sie zeigen, wie diese mehrredseligen als singseligen Dichter ihr Lied bald zur Rede auszudehnenstrebten; das letztere Stück könnte etwa als ein Anfangspunkt der Alle-gorien, Lehr- und Streitgcdichte bezeichnet werden, die in späteren Zeiteneine herrschende Gattung wurden. Wir wollen unö bei diesen kleinerenWerken nicht aufhalten, sondern sogleich zu den größeren ErzählungenHartmannS übergehen. Wenn wir diese ohne Rücksicht auf ihre muth-maßliche chronologische Reihe und geringere oder größere Reife der Er-zählgabe, nach ihrenStoffen betrachten, so weist uns der Gregor vomSteine"^) ^gEN legendarischen Inhalt nach noch ganz in den Ge-schmack des 12.Jahrh. zurück. Ganz so wie in einigen Legenden, die wirdort fanden, sind hier neuere Verhältnisse und ein neuerer Held, dieKetzerei der Blutschänder im 11. Jahrh. und Gregor VII., der ihr ge-steuert haben sollin ein fabelhaftes Gewand gekleidet, wie es inder Kaiserchronik mit der römischen Kaisergeschichtc, in den Oostis ko-maiiorum mit der römischen Rechtögeschichte geschah. Ein Geschwister-paar zeugt in unnatürlicher Gemeinschaft einen Sohn. Der Vater gehtans heilige Grab und stirbt, die Mutter setzt das Kind, „den guten Sün-der," der unschuldig seiner Eltern Erbsünde zu tragen hat, auf die Seeaus und legt ihm eine Tafel bei, die da besagt, daß seine Mutter seineTante sei und sein Vater sein Oheim. Das gerettete Kind wächst auf,erfährt sein Schicksal, will erfahren wessen er sei, zieht aus, und Windund Wetter tragen ihn in seiner Mutter Land. Die unglückliche Frau
345) Die Lieder und Büchlein, und der arme Heinrich von Hartmann von Aue.HrSg. v. Haupt. 1842.
346) Im spioilexium Vatieannm von Carl Greith. 1838. t-reAvrins, e6. Hod-inann. 1838. Uebersetzt von S. O. FisteS. 1851.
347) S. bei Greith x. 158.