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1 (1853)
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360
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

3. Hartmann von Aue und Wirnt von Gravenberg.

Der Gegensatz der epischen Volkslieder gegen den neuen Minne-gesang konnte kaum stärker sein, als der des Nibelungenliedes gegen diefranzösisch-britischen Epopöen, wie sie gleichzeitig von den größten Dich-tern jener Zeiten bei uns behandelt wurden. Wir gehen zu diesen überund dürfen ihnen jetzt unsere Aufmerksamkeit ungetheilt widmen. DreiMänner vor Allen haben wir hier zu betrachten, die uns die höfische Kunstauf ihrer höchsten Spitze, die Richtungen der Zeit in ihrer größtenSchärfe, die Ideen, die sie bewegten, in ihren reinsten Entfaltungenzeigen, und denen an Werth nur Walther als Vierter zugefügt werdendarf. Diese sind Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach undGottfried von Straßburg. Alle drei haben Dichtungen aus dem Sagen-kreise des Königs Artus nach französischen Originalen behandelt, undunter ihren Händen bildete sich rasch jene Gattung einförmiger Romane,die wir oben in roherer Gestalt in den Händen Ulrich's von Zazikovenund Eilhart's von Oberg sahen, zu der möglichsten Vollenduug, derensie fähig war. Bei diesen Behandlungen schreiten die Dichter regelmäßigin Geschicklichkeit, Selbstvertrauen und Kühnheit bis zum Uebermuthefort. Ulrich hatte noch ganz sein Auge auf dem Buche, und er und Eil-hart hatten noch viel zu sehr mit ihrer eigenen Sprache zu ringen, umsich freier zu bewegen. Hartmann folgt im Erek und Jwein seinen fran-zösischen Quellen^) mit gewandter Treue, und flicht blos solche leiseund unmerkliche Wendungen ein, die ihm sein ungemein zartes und feinesGefühl eingab. Er läßt die Erzählung unangetastet, trägt aber seineSeele hinein. Bei Wirnt ändert sich dies; er läßt sich den Stoff zuWigalois blos mündlich erzählen^), er bekämpft und wehrt sich gegendie Sage, unterbricht die Erzählung, tritt überall mit seiner Person keckin das Gedicht, was Hartmann nur sehr wenig gethan hat; jeden Au-genblick läßt er recht ausfällig den deutschen Dichter neben der fremdenMaterie hören. Bei Wolfram und Gottfried ist dann das Hervortreten

342) Chretien von Troyes hat beide Gegenstände behandelt. Den französischenErek wird Haupt heransgeben; er hält ihn bei zwar großen Uebereinstimmungen nichtfür Hartmann'S Quelle. Eine Ausgabe des franz. Jwein bereitet vr. Holland vor.

343) Vers 297, 22 ff.

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