Nibelungen und Kudrun.
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Leben, und so übt er auch an Hergart, einer der Dienerinnen Kudrun'S,welche die Rotte der Melantho spielte, die Rache des schonungslosenRächers. Es solgt dann die Heimfahrt nach Hcgelingen und die drei-fache versöhnende Verbindung zwischen Hartmut und Hildburg, Herwigund Kudrun, Ortwin und Ortrun.
Man wird aus dieser kurzen Angabe des Gangs der Handlung, sowie aus den wenigen Zügen, die wir aus der Darstellung einfließenließen, die Aehnlichkeit und Hinneigung zu der Manier des Lambrechtund seiner Zeit nicht verkennen, während im Ganzen die Strophe und derVortrag der Nibelungen herrscht. Es ist eine gewisse Lockerheit in derZusammensetzung der verschiedenen Theiie des Gedichtes, aber die Hand-lungen selbst hängen fest zusammen, wie auch die Charaktere, und vonden Widersprüchen in den Nibelungen findet sich nichts, wenn man nichtjene ähnliche ewige Jugend der Hildburg wollte geltend machen, eineFreiheit, die sich doch die Dichtung überall nahm. Viele Eigenschaftendieses Liedes möchte man den Nibelungen wünschen; cs legt die trockneFarblosigkeit mehr ab, ohne die leere Prunksucht der Hvfdichter anzu-nehmen. Beide Gedichte dürfen für die Nation ein ewiger Ruhm heißen.Sie reichen gleichsam in jene alten Zeiten mit ihren Thaten, Sitten undGesinnungen hinüber, aus denen die Stimme der mißgestimmten römi-schen Feinde die Tapferkeit, die Wildheit, aber auch die Treue und Ver-lässigkeit, die Zucht und Keuschheit unserer ehrwürdigen Ahnen rühmten.Wenn wir diese Dichtungen voll gesunder Kraft, voll biederer wenn auchrauher Sinnesart, voll derber aber auch reiner, edler Sitte betrachtenneben dem schamlosen, eklen und windigen Inhalt der britischen undneben den schalen, läppischen und zuchtlosen Stoffen der französischenRomane, ja neben dem bigotten fränkischen Volksepos, so werden wirganz andre Zeugnisse für die angestammte Vortrcfflichkeit unseres Volkesreden hören, als die dürren Aussagen der Chronisten, und im Keimewerden wir bei unseren Vätern schon die Ehrbarkeit, die Besonnenheit,die Innigkeit, und alle die ehrenden Eigenschaften finden, die uns nochheute im Kreise der europäischen Völker auszeichnen. Diese herrlichenStoffe uralter Dichtung lassen, wenn sie auch nicht geistige Gewandtheitzur Schau tragen, wie das die fremden Poesien jcnerZeiten besser können,auf eine Fülle des Gcmüthes und ans eine gesunde Beurthcilung allermenschlichen und göttlichen Dinge schließen, die ein Erbtheil der Nationgeblieben sind, das mit jedem neuen Umsatz wuchernd zu einem weitenVermögen heranwächst.