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1 (1853)
Entstehung
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

Dietmaren, Dänemark, Irland, Seeland und die Normandie, und merk-würdig genug ist's, daß bald der Ton, bald der Inhalt des Gedichtesnordische, britische, dänische und deutsche Züge verräth. In allen Theilenerinnert es an den Zusammenfluß von Menschen und Nationen an derNordsee, ein seefahrendes Volk ist der Pfleger der Sage und die genaueBekanntschaft mit dem Schiff- und Seewesen ist einmal in unfern deut-schen Gedichten eine ganz neue Erscheinung. Daß mehrfacher NationenSagen zu der heutigen Gestalt des Gedichtes wirklich Beiträge gelieferthaben mögen, ist um so wahrscheinlicher, als der Anfang ein leicht abzu-trennendcr, britischen oder willkührlichen Ursprung vcrrathcndcr Theil,die Mitte mit einem cigenthümlichen Schluß im Norden eine vielfach be-kannte selbständige Sage, die letzte Hälfte aber, der Kern des deutschenGedichts, wieder etwas ganz für sich bestehendes ist. Würde man denQuellen dieser einzelnen Theile des locker verknüpften Gedichtes auf dieSpur kommen, so zweiflen wir nicht, daß mau in diesem Gedichte wiein der Gralsage in Frankreich die zwei merkwürdigsten Beispiele von derWirkung des Zusammentreffens fremder Nationen auf die Dichtung ha-ben würde und von dem Zusammenschmelzcn ausländischer und einheimi-scher Sagen; und die Bedeutung, die wir immer in dieser Vermischungder Stämme für die romantische Dichtung suchten, würde sich bestimmterHerausstellen lassen. Wir treffen hier seandinavische Kcnningar (diewasserkühle, die blutfarbige Sälde u. a.) und den Ton dänischer Kämpe-viscr vereint mit dem Stil des deutschen Epos und mit den LicblingS-sabeln der Wälschen und einigen noch entlegneren Zügen. Wie dieTafelrunde des Arthur einen weltlichen Gegensatz zu den Gralrittcrn,oder zu den frommen Gottcöhelden Karls bildet, so stellen die Raub-fahrten der Normannen in Kndrun die weltliche Seite der Kreuzzüge dar,wie die Gralsage ihre ideellere erfaßt. Man würde die Entfernung derGralsage von jeder Erinnerung an Karl und Roland mit der ähnlichenin Kndrun von dem übrigen deutschen Sagenkreis vergleichen; manwürde in der genealogischen Form in beiden eine auffallende Achnlichkeitfinden. Die sittliche Reinigung des Mannes dort und des Weibes hierwürde sogar ein entsprechendes Thema sein, und ganz eigen ist die auf-fallende Annäherung im Aeußercn und Inneren der Darstellung in Ku-drun und dem Wolfram'schen Bruchstück des Titurel, obgleich es naheliegt (weit näher, als die Titurelstrophe aus der verfeinerten Nibelungcn-strophe herzulcitcn, die in derKudrun gebraucht ist), viele ganz Wolfram'-sche Wendungen und Eigenheiten geradezu aus ihm entlehnt zu denken.Wie das Gedicht in seiner älteren Gestalt beschaffen sein mochte, welche